Abstraktionen aus Vorarlberg im Rohnerhaus

Kultur / 05.06.2026 • 11:20 Uhr
Pfister 62x132 die rote Kraft Flatz 2018 70x95cm Foto┬® Gu╠ênter Ko╠ênig A4.jpg
In Lauterach sind über 60 Werke von 25 Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, darunter auch von Fritz Pfister. Günter König

Die neue Ausstellung in Lauterach präsentiert Positionen von 25 Künstlerinnen und Künstlern.

lauterach Das Rohnerhaus in Lauterach eröffnet am Sonntag, 7. Juni 2026, um 10.30 Uhr seine neue Ausstellung „Abstrakt Vorarlberg“. Das private Kunstmuseum, das bei freiem Eintritt jeden ersten Sonntag im Monat von 10.30 bis 17 Uhr geöffnet ist, richtet den Blick auf Künstlerinnen und Künstler, die in Vorarlberg oder mit enger Verbindung zum Land Wege in die Abstraktion gefunden haben. Die Schau entwirft ein vielstimmiges Panorama: von konstruktiver Ordnung über Malerei und grafische Verdichtung bis zur körperbezogenen Aktion.

Schon die Liste der vertretenen Positionen zeigt, wie verschieden abstraktes Arbeiten in Vorarlberg verstanden werden kann. Hasso Gehrmann, 1924 geboren und 2008 verstorben, gehört zu jenen Künstlerpersönlichkeiten, bei denen sich Kunst, Design und Denken kaum trennen lassen. Vom abstrakten Tafelbild über das Industriedesign bis zur theoretisch grundierten Metakunst suchte er nach Ordnungssystemen jenseits des Gegenständlichen. Gestaltung war für ihn keine Dekoration, vielmehr ein Versuch, Welt und Wahrnehmung neu zu organisieren.

HGmeiner_Foto©_gKoenig 1888.jpg
Malerei, Zeichnung und grafische Verfahren bilden de Grundlage der Arbeiten von Harald Gmeiner.Günter König

Einen anderen Zugang markiert FLATZ, 1952 in Dornbirn geboren und längst eine international bekannte Figur der Aktionskunst. Bei ihm wird der Körper zum Medium, zur Angriffsfläche, zum Ort der Zumutung. Seine Arbeiten überschreiten die Grenzen des schönen Scheins und verhandeln Verletzlichkeit, Gewalt, Öffentlichkeit und gesellschaftliche Prägungen. Auch das gehört zur Abstraktion: die Befreiung der Kunst vom reinen Bild, die Verlagerung in Handlung, Raum und Erfahrung.

Harald Gmeiner untersucht, wie Menschen ihre Lebensumfelder wahrnehmen, ordnen und deuten. Malerei, Zeichnung und grafische Verfahren bilden bei ihm die Grundlage einer Arbeit, die persönliche Erfahrung und kollektive Muster verschränkt. Bei Viktor Platonow, 1936 in Moskau geboren und seit den 1980er-Jahren mit Bregenz verbunden, klingt die russische Bildtradition ebenso an wie die klassische Moderne. Seine Farbflächen und bewegten Kompositionen öffnen einen Raum zwischen Herkunft, Erinnerung und freier Abstraktion.

Mit Fritz Pfister ist auch eine prägende Figur der Vorarlberger Nachkriegskunst vertreten. Der 1924 in Hohenems geborene und 1989 in Bregenz gestorbene Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Textildesigner, Kunstglaser und Kunsterzieher führte seinen Weg von Landschaft und Porträt zunehmend in die Abstraktion. Beeinflusst von Impressionismus und Paul Klee übersetzte er das Sichtbare in Rhythmus, Fläche und Form.

Struktur und Zeit

Elsbeth Gisinger-Fessler richtet den Blick auf den menschlichen Körper als Speicher von Erfahrung. In Zeichnung, Malerei, Objektkunst, Video und Installation entstehen Arbeiten, die innere Zustände nach außen kehren. Mariella Scherling-Elia, 1929 in Süditalien geboren und in Florenz ausgebildet, führte ihre Malerei zur Vereinfachung und zur Suche nach dreidimensionalen Möglichkeiten. Marion Mathà verbindet konzentrierte Bildordnung mit einem Interesse an Orten, Zeichen und Strukturen.

Foto┬® Gu╠ênter Ko╠ênig 80x60 1998 A4.jpg
Bei Hasso Gehrmanns Werken lassen sich Kunst, Design und Denken kaum trennen.Günter König

Auch Hugo Ender, 1941 in Götzis geboren, ist Teil dieser Erzählung. In Zeichnungen, Holzschnitten und grafischen Arbeiten nähert er sich der Welt mit Genauigkeit und Stille, besonders dem Baum als Motiv von Struktur und Zeit. Paul Renner, 1957 in Bregenz geboren, erweitert das Bild in Richtung Literatur, Philosophie, Natur, Kulinarik und aktionistische Gesamtkunstwerke.

Insgesamt vereint die Schau Positionen von 25 Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern. So wird „Abstrakt Vorarlberg“ zu einer Ausstellung über die vielen Wege, auf denen sich Kunst vom Gegenstand lösen kann, ohne die Wirklichkeit aus dem Blick zu verlieren.