Sakrales Schmuckstück am Eingang ins Klostertal

Die denkmalgeschützte Kapelle St. Leonhard wurde im Spätmittelalter erbaut.
Bludenz Direkt an der alten Straße ins Klostertal steht am “Glasbühel” ein kleines Kirchlein, dessen Anfänge weit ins Mittelalter zurückreichen. Am Ende des 14. Jahrhunderts stifteten die Grafen Rudolf IV. und Ulrich von Montfort-Feldkirch die Errichtung der Kapelle, die dem hl. Leonhard geweiht wurde. Sie war so bedeutend, dass sie namensgebend war für den gesamten kleinen Weiler. Vor allem für Reisende in Richtung Arlbergpass war dieses kleine Gotteshaus, gegenüber dem es auch eine Herberge gab, anscheinend sehr wichtig. Viele von ihnen hinterließen etwa noch heute sichtbare Spuren an der Außenwand, wobei die rätselhaften Zeichen nicht eindeutig interpretiert werden können.

Die Kapelle hat einen rechteckigen Grundriss, der zirka neuneinhalb mal viereinhalb Meter misst und im Osten mit einem fünf Achtel Chor abschließt. Der Chor, der durch einen runden Fronbogen vom Schiff abgetrennt ist, hat ein spitzbogiges Gewölbe. Über dem Betraum befindet sich ein Tonnengewölbe, darüber ein steiles Satteldach. Auf dem Giebel ragt ein Dachreiter mit Spitzdach auf. Westseitig ist ein großzügiges Vorzeichen angebaut, das im oberen Bereich mit fünf Reihen von kleinen quadratischen Fenstern abgeschlossen wird; darüber befindet sich ein an die Westfassade angefügtes Walmdach. An der Nordseite wurde 1670 auch eine zweigeschossige Sakristei angebaut.

Im Innenraum, der durch Rund- und Spitzbogenfenster an den hohen Wänden erhellt wird, stehen beiderseits des Mittelgangs mehrere Bankreihen, links zehn, rechts neun, da sich dort straßenseitig noch ein spitzbogiger Seiteneingang befindet, über dem außen unter einem Pultdach eine Nische mit dem hl. Leonhard ist. An den Seitenwänden ist ein Kreuzweg angebracht, dessen Stationen aus dem 18. Jahrhundert stammen. An der linken Seite hängt im vorderen Teil noch eine Pietà, die sich früher auf einem der beiden inzwischen nicht mehr vorhandenen Seitenaltäre befand.

Der Altar stammt ursprünglich aus spätgotischer Zeit, aus der Zeit um 1500, erhielt aber Ende des 17. Jahrhunderts seinen barocken Aufbau, zumindest zum Teil aus der Werkstatt des Melchior Lechleitner. Zwischen zwei Säulen ist im Zentrum eine Muttergottes mit Jesuskind, auf der Weltkugel stehend. Sie wird links flankiert vom hl. Leonhard und rechts von der hl. Margarethe. Seitlich der Säulen stehen unter Volutenbögen links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara. Darüber bildet ein Giebel mit sitzenden Engeln den Übergang zum Auszug. An dessen Unterseite sind das rot-weiß-rote Schild von Österreich und das Einhorn-Wappen von Bludenz angebracht. Vor dem Giebel steht der hl. Magnus auf einem Drachen und mit einem Stab in der Hand. Abgeschlossen wird der Altar oben von einem kleineren Giebel und einem großen Kruzifix, neben dem zwei weitere Figuren platziert sind, die Maria und Johannes darstellen, die laut der Bibel unter dem Kreuz gestanden sind.
Um das kleine Kirchlein gab es früher einen Friedhof, auf dem vor allem Verstorbene aus dem Siechenhaus, das aus der ehemaligen Herberge entstanden war, beigesetzt wurden.

