Altes Handwerk in Bludenz

Das Bild der Stadt war einst von vielfältigen Berufen und Techniken geprägt.
Bludenz Bis zur Mechanisierung, die mit dem Aufkommen moderner Maschinen im 19. Jahrhundert einherging, war der Arbeitsalltag der Menschen von handwerklichen Tätigkeiten geprägt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich alle Bereiche des beruflichen und alltäglichen Lebens in einem bis dahin ungeahnten Tempo verändert. Das gilt für ländliche Regionen ebenso wie die Städte. Natürlich gab es auch in früheren Zeiten geistige Fortschritte und Erfindungen (in der Landwirtschaft brachte etwa das Aufkommen von Sensen viele Erleichterungen), solche Veränderungen gingen aber über längere Zeiträume vonstatten, bis sie zum Allgemeingut wurden.

Handwerkliche Kleinbetriebe
Eine Kleinstadt wie Bludenz beherbergte im Mittelalter und bis in das 19. Jahrhundert eine stattliche Anzahl an handwerklichen Kleinbetrieben. Diese bestanden üblicherweise aus einem Meister und einem oder zwei Gesellen, oftmals jedoch auch nur aus einer Person. Die Liste der in den von Manfred Tschaikner erhobenen Quellen aufscheinenden Berufsbezeichnungen ist vielfältig und gibt Einblick in die Vielfalt des Wirtschaftslebens vergangener Jahrhunderte: Bücker, Balbierer (Haarschneider und Bartscherer), Buchbinder, Büchsenmacher, Drechsler, Rot- und Weißgerber, Glaser, Hafner, Hutmacher, Kornführer, Küfer, Kürschner, Maurer, Metzger, Rädermacher, Sattler, Schlosser, Schmied (für Messer, Sensen, Waffen, Kupfer und Hufe), Schneider, Schuhmacher, Steinhauer, Tischler, Tuchhändler, Tuchscherer, Uhrmacher, Weber, Weinschenke und Wirt, Ziegler, Zimmermann. Besonders viele Handwerksbetriebe standen einst am Mühlebach in der Bludenzer Au. Betriebe innerhalb der Stadtmauern gaben einst ganzen Straßenzügen ihren Namen. So wurde die Kirchgasse früher auch als “Schmidtgasse” bezeichnet.
Zunft
Seit dem Mittelalter prägten Zünfte in vielen Städten den Handwerkerstand. Sie regelten das Ausbildungswesen mit Lehrjahren, Wanderzeit, Gesellen- und Meisterprüfung, waren aber auch für soziale Aspekte und religiöses Brauchtum zuständig. In Bludenz kam es allerdings erst spät zu einem Zusammenschluss dieser Art, denn bis um 1700 war der Stadtrat direkt für die Ausbildung der Handwerker in der Stadt zuständig. Innerhalb der Handwerker entstand der Wunsch nach einer Zunft als Interessenvertretung, die 1677 vom Stadtrat genehmigt wurde. In den folgenden Jahren entstanden Untergruppen, etwa der Gerber und der Färber. Die Bludenzer Handwerkerzunft erhielt allerdings erst 1701 die kaiserliche Bestätigung. Eine Zunfttruhe ist heute im Stadtmuseum im Oberen Tor ausgestellt.
Präsentation von altem Handwerk
In der Sammlung des Stadtmuseums, die sich im Untergeschoss der Schule im Park befindet, befinden sich zahlreiche Objekte, die von der Tätigkeit einstiger Handwerker künden. Eine Auswahl ist derzeit im Stadtlabor im Würbel-Areal ausgestellt. Dort findet am Freitag, 12. Juni, von 15 bis 18 Uhr eine Präsentation alter Handwerkstechniken statt. CTH