Offene Türen am Tag des Archivs in Ludesch

Heimat / 10.06.2026 • 14:57 Uhr
	Abraham Hartmann(links) präsentiert die Bestände des Archivs
Abraham Hartmann präsentiert die Bestände des Gemeinschaftsarchivs Walgau .Hans Bösch

Das Team des Gemeinschaftsarchivs Walgau gab Einblicke.

Ludesch Der 9. Juni stand als „Internationaler Tag der Archive“ ganz im Zeichen der archivalischen Überlieferung, dem Erhalt des historischen Wissens und Kulturerbes der Region. Das älteste Dokument dieser Sammlung stammt immerhin aus dem Jahr 1559.

Pomologe Arthur Bertel informiert die Volksschüler
Pomologe Arthur Bertel informiert die Volksschüler.

Aus diesem Grund lud das Team des Gemeinschaftsarchivs Walgau mit Abraham Hartmann, Nadine Dobler, Julia Bitsche und Stefan Stachniß alle Wissbegierigen zu einem Tag der offenen Tür ins Archiv nach Ludesch ein. Seit 2023 kümmern sie sich auf Betreiben der Gemeinden Düns, Dünserberg, Röns, Satteins, Schlins, Schnifis, Bludesch, Ludesch und Thüringen sowie aufgrund der gesetzlichen Vorgaben des Landes um die Sicherung historischer Unterlagen und deren Zugänglichmachung für Interessierte.

In den Archiv-Räumlichkeiten wartete ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Impulsen und Führungen. Thematische Schwerpunkte waren der Obstbau und die Branntweinerzeugung in der Region. Auf dem Dorfplatz konnten die Besucher die fahrbare Brennerei von Elmar Domig und die von Ehrenfried Schnetzer betriebene Mostpresse besichtigen. Pomologe Arthur Bertel gab zudem wertvolle Pflegetipps.

	Bruno Walter mit seiner Mutter Gertraud und Élmar Domig vor der Brennerei
Bruno Walter mit seiner Mutter Gertraud und Elmar Domig vor der Brennerei.

Bereits am Vormittag besuchten unter anderem fünf Klassen der Volkschule Ludesch gemeinsam mit Volksschuldirektorin Elisabeth Öttl das Archiv. Sie verfolgten die Kurzreferate der Archivmitarbeiter sowie die Vorführungen am Dorfplatz. Dabei erfuhren sie auch interessante Details darüber, dass bereits auf auf Betreiben von Maria-Theresia der intensive Obstanbau und die ersten Obst – und Gartenbauschulen gegründet wurden.

Auch der Weinbau spielte in der Region einst eine wichtige Rolle. Schon die Römer hatten ihn hier eingeführt. Um 1850 kam er jedoch aufgrund klimatischer Veränderungen, der Reblaus sowie des günstigen Südtiroler Weins, der mit der Bahn nach Vorarlberg gelangte, weitgehend zum Erliegen. Most entwickelte sich daraufhin zum Volksgetränk. In Satteins wurde 1862 die erste Mostschenke gegründet. Dies führte dazu, dass immer mehr Baumbesitzer Schankbetriebe eröffnen wollten. Die Gemeinde Thüringen lehnte dies jedoch mit der Bemerkung ab, dass es mehr Schenken als Gäste geben werde, wenn dies jeder mache. Im Jahr 1849 wurden 1232 Liter Schnaps gebrannt.Die Qualität der Getränke dürfte damals allerdings nicht dem heutigen Standard entsprochen haben. Bereits 1880 gab es in der Gemeinde Thüringen 50 Schnapsbrenner.

	Sophie Benauer und Herta Glück
Sophie Benauer und Herta Glück.

Auch die Bestände des Archivs beeindrucken. Allein aus Thüringen stammen derzeit 2800 Faszikel (Aktenbündel). Insgesamt lagern rund 12.000 Faszikel im Archiv. Diese werden vom Team katalogisiert, gesichert, ausgewertet und schrittweise digitalisiert.

Luis Weinzerl und Herbert Metzler
Luis Weinzerl und Herbert Metzler.

Besucher wie Luis Weinzerl und Herbert Metzler bezeichneten die Veranstaltung als sehr interessant und informativ. Für Sophie Benauer und Herta Glück ist die Sammlung wichtig, um die Entwicklung der Gemeinden besser nachvollziehen zu können. Altbürgermeister Paul Ammann und Maria nutzen jede Gelegenheit, ihrer alten Heimat einen Besuch abzustatten. HAB

Altbürgermeister Paul Ammann und Maria
Altbürgermeister Paul Ammann mit Gattin Maria.