Künstler helfen krankem Kollegen

Heimat / 10.07.2026 • 16:39 Uhr
Künstlerin Angelika Tschofen, ihr Mann Johan Jansen,
Künstlerin Angelika Tschofen, ihr Mann Johan Jansen, “KunstVorarlberg”-Vizepräs. Gabriele Bösch, Künstler Ewald Hotz und Präsident Hanno Metzler.

Ausstellung “Walking In Paradise” mit Arbeiten von Johan Jansen in der “Villa Claudia”.

Feldkirch Das Erkranken an der unheilbaren Nervenerkrankung ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist für den Künstler Johan Jansen laut Kollege und “KunstVorarlberg”-Präsident Hanno Metzler “eine persönliche Tragödie und ein finanzielles Problem”. Seine Vereinskollegen haben das 2019 zu ihnen gestoßene Mitglied als Künstler geschätzt, aber auch als Kassier. “Das von ihm programmierte Buchhaltungsprogramm hat uns fasziniert und spielt alle Stückchen, auch dafür wollen wir uns bedanken.”

Galerist Helmut Schlatter, Kollegin Margot Prax und Künstler Harald Gmeiner.
Galerist Helmut Schlatter, Kollegin Margot Prax und Künstler Harald Gmeiner.

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Zwar hat die Künstlervereinigung aus budgetären Gründen ihre diesjährige Sommerausstellung abgesagt, aber fürs Ermöglichen einer Ausstellung zugunsten von Johan engagierte sich eine Reihe von ihnen. Metzler hob seine Stellvertreterin Gabriele Bösch hervor, die auch die in fünf Räumen der Villa Claudia bis zum 9. August zu sehen und zu erwerben sind. Weiters Ewald Hotz, der beim Auswählen der Bilder half und sie mit Unterstützung seines Sohnes nach Feldkirch transportierte.

Künstler Hermann Präg und Kurator Erwin Buttazoni.
Künstler Hermann Präg und Kurator Erwin Buttazoni.

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Der Präsident verwies auf die Führungen durch Margot Prax am 19. Juli und durch Erhard Witzel am 26. Juli, jeweils um 11 Uhr. Er wünschte einen inspirierenden Abend und bereichernde Gespräche. Für eine musikalische Begrüßung vor dem Eingang sowie die musikalische Begleitung der Vernissage sorgte das Saxophon-Ensemble “I Sax blos”.

Beate Kasper, Benjamin Leeb, Gabriele Sonderegger und Ulrike Schnepf.
Beate Kasper, Benjamin Leeb, Gabriele Sonderegger und Ulrike Schnepf.

Gabriele Bösch sprach beim Erklären der Arbeiten im Raum “Walking in Paradise” von der “Leidenschaft”, als die Johan Jansen das langsame Gehen bezeichnet hat. Er sei verschiedene Pilgerwege quer durch Europa gegangen, die Wege seien Teil seines Lebens geworden, hätten sich mit seinem größeren Lebenswerk über die Kunst verschmolzen. Die dabei und anderweitig im Leben gewonnenen Erkenntnisse ließen sich anderen nicht wirklich mitteilen, aber Dichter täten das mit Poesie, Maler mit Bildern. “Jeder Weg, den wir gehen, ist gespickt mit einer Fülle von Einzigartigkeiten.” Die verglich die Künstlerin mit den feinen Pinselstrichen Jansens im Bild “Paradise5”.

Elfriede Plangg und Renate Ludescher-Krapez.
Elfriede Plangg und Renate Ludescher-Krapez.

“Gehen ist Innehalten, Atmen, in den Augenblick kommen, um zu erfahren, was das Auge entweder nur in der gesamten Fülle oder in einzelnen Details erfassen kann”, stellte Bösch fest. Sie bezeichnete das Paradies als eine “orgiastische Gleichzeitigkeit von allem, nichts ist lauter als das andere, nichts sticht hervor. Und genau deshalb ist das Paradies auch Stille.” Genau diese Stille habe Jansen mit seiner hervorragenden Technik gemalt. Das Paradoxe sei nun, dass, wenn wir diese Stille im Bild betrachten, wir plötzlich irgendwo im Unterholz ein Rascheln hören, näher oder ferner eine Vogelstimme vernehmen. Das sei eine Einladung zum Mitschöpfertum.

Waltraud und Sohn Sebastian Tschofen (
Waltraud und Sohn Sebastian Tschofen (“Stock & Bein”).

Johan Jansens Schwägerin verlas einen von ihm verfassten Text, in dem er sich “sehr berührt” über die Unterstützung von Kolegg:innen zeigt. Er bedankte sich sehr herzlich, würdigte das “unglaubliche Engagement” der Vizepräsidentin sowie das Arrangement der Werke durch Harald Gfader und Christine Lingg. “Ich weiß nicht, wer noch alles beteiligt war, sage ihnen allen ein riesiges Dankeschön.” Den ganzen Abend über erlebte der Künstler immer wieder viel Zuspruch von Besucher:innen. AME

Künstler helfen krankem Kollegen
“I Sax blos”: Andre Mitterbacher, Georg Vith, Kurt Schlachter und Meri Schwemberger-Nester.