“Ich möchte Menschen die Schönheit von Kirchen zeigen” – Björn Hopf ist Kirchenraumpädagoge

Vom Fine-Dining-Koch zum zertifizierten Kirchenraumpädagogen: Die Mauern der Pfarrkirche Riezlern sind stumme Zeugen.
Riezlern Leise Orgelmusik erfüllt die Pfarrkirche in Riezlern. Für einen Augenblick wird es still. Niemand spricht. Erst als die letzten Töne verklungen sind, bittet Björn Hopf seine Gäste, den Blick wieder schweifen zu lassen. “Jetzt sehen Sie die Kirche anders”, sagt er lächelnd. Genau darum geht es dem 54-Jährigen.

Der frisch zertifizierte Kirchenraumpädagoge möchte Menschen nicht einfach durch eine Kirche führen – er möchte ihnen einen neuen Blick schenken. Einen Blick für Details, Geschichten und Kunstwerke, die viele seit Jahren übersehen haben. “Ich möchte Dinge sichtbar machen, an denen man sonst einfach vorbeigeht. Oft entfalten sie ihre Schönheit und ihre Bedeutung erst auf den zweiten Blick.”

Dass er einmal Kirchenräume vermitteln würde, überrascht ihn selbst nicht. Björn ist der Enkel eines Mesners und zwischen Kirchenbänken und Altären aufgewachsen. “Kirchen sind für mich ein Stück Heimat”, sagt er. Architektur, Kunst und Spiritualität seien für ihn untrennbar miteinander verbunden. Gerade im Kleinwalsertal schlummere ein kultureller Schatz, der bislang nur wenig erschlossen worden sei.

Während viele Besucher zuerst auf den Hochaltar oder die Kirchenfenster schauen, lenkt Björn Hopf den Blick bewusst auf das Unscheinbare. Auf moderne sakrale Kunst etwa, die gesellschaftliche Fragen aufgreift. Oder auf ein Kriegerdenkmal, das angesichts der aktuellen Weltlage neue Aktualität erhält. Besonders begeistert erzählt er von den monumentalen Werken des Künstlers Martin Feuerstein, die in der Kirche zu finden sind.

Ein Lieblingsstück hat er dennoch. Es ist eine Pietà von Martin Feuerstein. Maria hält ihren verstorbenen Sohn im Arm – doch das Gemälde verbirgt ein Detail, das kaum jemand entdeckt. Was es ist, verrät Björn allerdings nur während seiner Führungen. “Das bleibt die Überraschung.”
Zwischen Kirche und Küche
Bis vor einigen Jahren spielte sich sein Berufsleben allerdings weit entfernt von Kirchen ab. Der gebürtige Deutsche arbeitete als Koch in der Fine-Dining-Gastronomie in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz. Vor rund zehn Jahren zog er ins Kleinwalsertal – der Liebe wegen. “Ich habe mich ganz klassisch in eine Walserin verliebt”, erzählt er schmunzelnd.

Heute arbeitet er in einer Metzgerei in Fischen. Dass es ihn trotzdem immer wieder in die Kirche zieht, ist für ihn kein Widerspruch. Ob am Herd oder im Kirchenraum – immer gehe es darum, Menschen etwas mitzugeben. “Ich freue mich über jeden Gast, der glücklich nach Hause geht und wiederkommen möchte.”
Ehrenamt
Sein Engagement als Kirchenraumpädagoge ist ehrenamtlich. Wochen- und monatelang hat er recherchiert, Texte geschrieben und Konzepte entwickelt. Denn für ihn bedeutet eine gute Führung nicht, möglichst viel Wissen weiterzugeben. “Man muss sehr viel wissen – aber am Ende gar nicht alles erzählen.”
Lieber eine Geschichte, die hängen bleibt. Lieber ein Kunstwerk, das man wirklich betrachtet. Lieber eine Stunde, nach der die Besucher sagen, sie hätten noch lange bleiben können, als eine langweilige Führung. Dafür lohnt es sich, gut informiert zu sein.

Sein Wunsch für die Zukunft ist klar: Menschen für Kirchen, Kunst und Kultur begeistern. Nicht belehren, sondern neugierig machen. “Ich möchte Kirchen nicht erklären”, sagt er. “Ich möchte Menschen dazu verführen, sie neu zu entdecken.”

Begleitet wird er dabei von einem Lebensmotto, das zu seinem Weg passt: “Per aspera ad astra” – auf steinigen Wegen zu den Sternen. Oder, wie er mit einem Lächeln ergänzt: “Et hätt noch immer jot jejange.”
Zur Person
Name: Björn Hopf
Alter: 54 Jahre
Familie: die große Liebe im Kleinwalsertal geheiratet
Hobbys: Kunst und Kultur, Kirche, Essen
Lebensmotto: Per aspera ad astra – auf steinigen Wegen zu den Sternen