Grünstadtsymposium setzt in Feldkirch Akzente

Auf einem Spaziergang durch Feldkirch wurden Maßnahmen zur Klimaanpassung vorgestellt.
Feldkirch Im September 2024 gründeten Conrad Amber, Richard Gutensohn und Markus Luschin in Dornbirn den Verein Grünstadtsymposium. Das Trio ist in verschiedene Projekte der Stadt Feldkirch eingebunden und aktiv. Die Vereinsgründer führten nun am 18. September zu verschiedenen Stationen ihres Wirkens.

Treffpunkt war das Foyer der Arbeiterkammer (AK), wo Manuel Ganahl ins Thema einstimmte. Die Organisatorin der Veranstaltung, Simone Egle von Klar (Klimaanpassung Modellregion), begrüßte ebenfalls alle und leitete zu Richard Gutensohn, Leiter von Ländle Erde der Firma Loacker, über.

Von ihm erfuhren die Teilnehmer, wie das Stockholmer Baumpflanzprinzip funktioniert. Hauptbestandteil ist ein spezielles Substrat. Grobe Steine puffern den Druck von der Straße ab. Dazwischen haben Wurzeln genug Platz. Letztlich steht der Natur mehr Wasser zur Verfügung. In Klaus wurde ein Abschnitt am Bahnhof bereits nach dem Schwammstadtprinzip gebaut, in Feldkirch ist es in der Liechtensteinerstraße geplant.

Weiter ging’s oberhalb der Tiefgarage zu den dort aufgestellten Pflanzentrögen. Der als “Stimme der Bäume” bekannte Buchautor und Naturfotograf Conrad Amber übernahm nun die Führung, erklärte den Aufbau der Tröge, und jeder verstand, warum sich die Bäume hierin wohlfühlen. “In wenigen Jahren werden sich ihre Kronen treffen und dadurch großflächig Schatten bieten. Geschnitten wird hier nicht”, so Conrad Amber. Auf die in den Töpfen wachsenden Brennnesseln angesprochen, fügt er mit einem Augenzwinkern an: “Die meisten überleben das Brennen.” Danach erklärte er das Prinzip der von ihm entwickelten Fassadenbegrünung. Auf einer Fläche von rund 700 Quadratmeter wurden an der Fassade der AK Pflanzentröge in drei Etagen angebracht und bepflanzt. Es blüht von Februar bis Oktober in den Farben weiß bis blau. Das in Zisternen aufgefangene Regenwasser bewässert. Durch 13 eingebrachte Metallstäbe ergeben sich zudem neue Strukturen und Beschattungen. Diese Konstruktion wurde kürzlich preisgekrönt, weil sie “ökonomisch sinnvoll und ökologisch effektiv ist”, erklärt Conrad Amber. Die Anschaffung habe rund 500 000 Euro gekostet und damit weniger als halb so viel wie die der zuvor angedachten Klimaanlage. Auch die Wartungskosten seien wesentlich günstiger. “Die Stadt spart pro Jahr Millionen und gleichzeitig sind die Büros um vier Grad kühler.” Auf die Frage, wodurch er inspiriert wurde, sagte Amber: “Die Natur inspiriert mich und Wildheit gefällt mir.”

In der Innenstadt gab Rainer Graf-Bösch, Leiter der Abteilung Tiefbau der Stadt Feldkirch, Einblicke in Begrünungsmaßnahmen, die bereits umgesetzt bzw. geplant sind. “Es wird angedacht, Marktgasse und Sparkassenplatz ebenfalls im Schwammstadtprinzip zu bauen”, erläuterte er. Letzte Station war der neue Kapfgarten, wo die Führung bei einem Getränk gemütlich ausklang.


Daniel Stieger war einer der Teilnehmer. Als Geschäftsführer der Fa. Baum Stieger in St. Gallen interessiert er sich für Fassadenbegrünung. Ebenfalls aus der Schweiz kamen Sonja Zünd und Roger Graf, die 2023 den Verein Bäumiges Altstätten gegründet und dort seither 100 Bäume gepflanzt haben. Sie wollen mehr Kühlung, Beschattung und Luftreinigung für die Stadt.

Tatjana Müller aus Belarus besuchte die Veranstaltung, um Aktuelles für ihre Masterarbeit mitzunehmen. Auch der aus Gisingen stammende Herbert Wiederin war motiviert dabei. “Ich schätze es, dass die Stadt für das Wohlbefinden seiner Bürger sorgt.” GIS