Rückkehr von den Hochweiden

Nach Monaten auf der Alpe Garnera wurden 800 Schafe in Gaschurn wieder ihren Besitzern zugeordnet.
Gaschurn Noch liegt am frühen Morgen Ruhe über dem Tal. Doch um 8.30 Uhr ist es mit der Stille vorbei: Rund 800 Schafe strömen kürzlich gemeinsam mit ihren Hirten aus dem Garneratal ins Tal. Im Gatter warten bereits zahlreiche Schafbesitzer und Zuschauer auf die Tiere. Für die Schafbesitzer ist die traditionelle Schafscheide jedes Jahr ein besonderer Tag.
Es wird geblökt, gedrängt und eifrig gesucht. Nach fast vier Monaten auf den weitläufigen Weideflächen der Alpe sind die Schafe nicht unbedingt begeistert davon, nun wieder eingefangen zu werden. Für ihre Besitzer beginnt eine besondere Herausforderung: Inmitten der riesigen Herde gilt es, das eigene Tier zu finden.
Nicht immer gelingt das auf Anhieb. Manche Schafe waren als Jungtiere auf die Alpe gekommen und sind inzwischen deutlich größer geworden. Auch die Vielfalt der Rassen beeindruckt: Weiße und braune Tiroler Bergschafe, Montafoner Steinschafe, Juraschafe und Walliser Schwarznasenschafe befinden sich unter den Tieren.

Am Ausgang werden die Registriernummern auf den Ohrmarken kontrolliert. Erst danach können die Besitzer ihre Schützlinge wieder mitnehmen. Viel Zeit für Gespräche bleibt dabei nicht. Die Schafe kommen aus verschiedenen Teilen des Landes, die meisten aus dem Montafon.

Anspruchsvolle Arbeit in den Bergern
Die Garneraalpe zählt zu den größten Schafalpen des Landes. Die weitläufigen Weideflächen bieten den Tieren viel Platz, stellen die Hirten aber auch vor große Herausforderungen. Oft müssen sie sich in felsige und schwer zugängliche Höhen begeben, um nach ihren Schafen zu sehen.
Während des Sommers erblickten zahlreiche Lämmer das Licht der Welt. Sie wurden mit Fahrzeugen ins Tal gebracht und dort in einer eigenen „Kinderstube“ versorgt. Leander durfte dabei eine besondere Aufgabe übernehmen: Als „Kindsknecht“ nahm er die noch namenlosen Lämmchen auf den Arm und kümmerte sich um die kleinen Tiere.

Für Josef Rudigier aus Schruns, der selbst eine Kleinlandwirtschaft betreibt, ist die Schafscheide jedes Jahr ein besonderes Erlebnis. Auch die deutschen Gäste Marc und Rita staunen über die gewaltige Herde, die sich vor ihren Augen ins Tal bewegt.

Wichtige Landschaftspfleger
Für die Älpler bedeutet der Sommer harte Arbeit. Wind und Wetter sowie die Höhenlage machen die Betreuung der Tiere anspruchsvoll. Gleichzeitig leisten die Schafe einen wichtigen Beitrag zur Bewirtschaftung der alpinen Flächen.
Mit ihren Klauen verdichten sie den Boden, sie fressen anders als Kühe und erreichen auch Bereiche bis hinauf zu den Felsen. Die Beweidung trägt dazu bei, Erosionen zu verhindern und das Risiko von Muren und Lawinen zu reduzieren.
Eine zusätzliche Herausforderung ist die Rückkehr des Wolfes, die die traditionelle Schafhaltung zunehmend erschwert. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit zwischen Bauern und Hirten.

Zufriedener Alpmeister
Am Nachmittag sind schließlich alle Schafe wieder bei ihren Besitzern. Einige Züchter aus Feldkirch und Umgebung holten ihre Tiere mit dem Lkw abgeholt. Alpmeister Christian Wittwer zieht eine positive Bilanz: „Wir bewirtschaften ein riesiges Gebiet mit unseren Hirten. Trotz der Trockenheit hatten wir immer genug Wasser.“Die Schafbesitzer bedanken sich beim gesamten Alpteam für die Betreuung ihrer Tiere. Besonders erfreulich: Der Alpsommer verlief unfallfrei.

Und während die letzten Schafe ins Tal gebracht werden, steht für viele bereits fest: Im nächsten Jahr gibt es wieder eine Schafscheide auf der Garnera. EST










