Nach fast zehn Jahren: Gemeinde zieht beim Erne-Areal die Notbremse

Beim Erne-Areal kamen Gemeinde und Eigentümer am Ende nicht zusammen. Gleichzeitig beschäftigt sich die Gemeinde mit einer anderen großen Fläche – und langfristigen Plänen.
Schlins Bald zehn Jahre ist es her, dass zum ersten Mal über die Weiterentwicklung des Erne-Areals gesprochen wurde. Jetzt hat die Gemeindevertretung beschlossen, den bisher geführten Prozess mit Erne nicht fortzuführen. Was aber nicht heißt, dass dies das Ende der zukünftigen Entwicklung bedeutet: „Es ist ein wichtiger Entwicklungsstandort mit entsprechendem Potenzial“, sagt Bürgermeister Wolfgang Lässer. Langfristig solle das 22.000 Quadratmeter große Grundstück einer „qualitätsvollen Entwicklung zugeführt werden“. Letzten Endes sei der Planungsprozess auf beiden Seiten gescheitert. „Wir haben uns bemüht, aber zum Schluss sind wir nicht zusammengekommen.“

Uneinigkeit im Nutzungsmix
Denn dem neuen Wunsch von Eigentümer Stephan Zöchling konnte nicht entsprochen werden. Der politisch beschlossene Rahmen für das Projekt sieht vor, dass 68 Prozent Wohnungen und 32 Prozent Gewerbe entstehen sollen. Der neue Antrag des Eigentümers sah jedoch einen Nutzungsmix von rund 90 Prozent Wohnen sowie zehn Prozent Gewerbe und Dienstleistungen vor. Dabei hielt die Gemeindevertretung fest, „dass sie keine Veranlassung sieht, den bisher geltenden politischen Rahmen und die bisherigen Beschlüsse in diesem wesentlichen Punkt abzuändern“, heißt es im Sitzungsprotokoll vom 21. September. „Die Gemeindevertretung stellt weiters fest, dass nach mehrjähriger Projektentwicklung, zahlreichen Gesprächen und Abstimmungen sowie nach Ablauf der zuletzt vereinbarten Fristen keine ausreichende Grundlage für eine Fortführung des bisher verfolgten Entwicklungsprozesses gegeben ist.“

Wolfgang Lässer betont, dass die Tür nicht generell geschlossen sei, sondern nur für dieses Projekt. Wenn es andere Pläne für dieses Areal gäbe, könne man die Verhandlungen wieder aufnehmen. Doch er müsse als Bürgermeister die Interessen der Gemeinde vertreten. Für Lässer haben so viele Wohnungen auf einmal keinen Mehrwert für die Gemeinde. Zöchling habe laut Lässer eine Marktstudie erstellen lassen, die unter den bisher vereinbarten Bedingungen negativ ausgefallen sei. Doch „wir wünschen uns Gewerbe und Dienstleistungen“, meint Lässer.
Neues Grundstück mit Potenzial
Seit wenigen Monaten überlegt die Gemeinde gemeinsam mit dem Vorarlberger Bodenfonds, wie sie den ehemaligen Fußballplatz mit einer Fläche von circa 17.000 Quadratmetern entwickeln könne. „Im Zuge des weit vorausschauenden Prozesses ‚Strategie- und Handlungskonzeption zur Gemeindeentwicklung‘ haben wir nachgefragt, ob wir die Flächen mitdenken dürfen“, erzählt Lässer. Man stehe hier jedoch noch ganz am Anfang des Prozesses. In der Gemeindevertretungssitzung wurde laut Sitzungsprotokoll mit zwei Gegenstimmen der Grundsatzbeschluss zur Weiterverfolgung der Projektidee gefasst.

Lässer möchte jedoch eines klarstellen: „Mir ist es ganz wichtig zu betonen, dass wir die Zusammenarbeit mit Erne nicht abgebrochen haben, weil wir jetzt das neue Projekt auf dem alten Fußballplatz verfolgen. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Wir hätten den Prozess ‚Erne-Areal‘ auch dann beendet, wenn es keine andere Option gegeben hätte.“

Der alte Fußballplatz sei eine Fläche, „die gut zum Dorf passt“ und eine langfristige Entwicklung für die Gemeinde ermöglicht. So sei die Wahrscheinlichkeit größer, die Interessen der Gemeinde noch besser umzusetzen. Für die Entwicklung des Areals wurde eine Projektgruppe ins Leben gerufen. „Die Gemeinde soll moderat wachsen“, weshalb auch dort eine Bebauung eher etappenweise erfolgen werde. „Wir bauen nach Bedarf.“ Lässer könne sich leistbares Wohnen „unter dem Marktpreis“ vorstellen. „Das muss uns gelingen“, sagt er.