Feldkirchs lange Stiftertradition

Heimat / 19.10.2026 • 08:49 Uhr
Auf den Spuren der Stifter: Austria Guide Werner Gerold führte durch Feldkirch und machte die lange Tradition des Stiftens in der Montfortstadt sichtbar.
Auf den Spuren der Stifter: Austria Guide Werner Gerold führte durch Feldkirch und machte die lange Tradition des Stiftens in der Montfortstadt sichtbar. Henning Heilmann

Kostbar und karitativ: Gestiftete Kunstwerke und Einrichtungen in der Montfortstadt.

Feldkirch Die bedeutendsten Kunstwerke, die heute in Feldkirch bewundert werden können, sind Stiftungen: die Silberne Monstranz, der Annen- und Marienaltar und wertvolle Bücher der Humanisten-Bibliothek. Selbst am Beginn der Stadt Feldkirch steht eine Stiftung.

Stadt der Stifter

Unter dem Stichwort “Feldkirch – die Stadt der Stifterinnen und Stifter” luden Austria Guide Werner Gerold und die Rheticus Gesellschaft zum Rundgang auf den Spuren der Stiftungen ein. An acht geschichtsträchtigen Orten wurde ein Blick zurückgeworfen.

Ein Geschenk mit Geschichte: Die Johanniterkirche erinnert an die Stiftung von Graf Hugo an den Johanniterorden im Jahr der Feldkircher Stadtgründung 1218.
Ein Geschenk mit Geschichte: Die Johanniterkirche erinnert an die Stiftung von Graf Hugo an den Johanniterorden im Jahr der Feldkircher Stadtgründung 1218. Henning Heilmann

Die Johanniterkirche, Start des Rundgangs, wurde im Jahr der Stadtgründung 1218 errichtet. Der damalige Papst forderte von Graf Hugo eine Beteiligung am Kreuzzug. Der Graf stiftete dem Johanniterorden ein Hospiz samt Äckern, wovon die Johanniterkirche noch steht.

Bei der ehemaligen Lateinschule im Goaßzipfel berichtete Werner Gerold über Hieronymus Münzer, der sich für arme Schüler einsetzte und die kostbare Silbermonstranz stiftete.
Bei der ehemaligen Lateinschule im Goaßzipfel berichtete Werner Gerold über Hieronymus Münzer, der sich für arme Schüler einsetzte und die kostbare Silbermonstranz stiftete. Henning Heilmann

Zweiter Ort des Rundgangs auf den Spuren der Stifter war die ehemalige Lateinschule im Goaßzipfel. Nähere Infos gab es über deren berühmtesten Absolventen, Hieronymus Münzer. Der Handel mit pharmazeutischen Produkten mit seinem Bruder verhalf ihm zu Vermögen. Er gründete nicht nur eine Stiftung für arme Schüler in Feldkirch, sondern stiftete auch die Monstranz für die Pfarrkirche in Feldkirch, die aufs Jahr 1506 datiert.

Historische Mauern, bewegte Geschichte: In der Neustadt 12 erhielten die Teilnehmer Einblicke in das ehemalige Haus des Churer Domkapitels und das dort entstandene Hummelbergische Benefizium.
Historische Mauern, bewegte Geschichte: In der Neustadt 12 erhielten die Teilnehmer Einblicke in das ehemalige Haus des Churer Domkapitels und das dort entstandene Hummelbergische Benefizium. Henning Heilmann

Weiter ging es in die Neustadt 12, wo das Haus des Churer Domkapitels besichtigt wurde. Hier entstand das Hummelbergische Benefizium, eine Stiftung von Domdekan Johann Damian von Hummelberg. Am Rathaus wurde über das Heilig-Geist-Spital, das sich im rechten Gebäudeteil befand und ebenso 1218 errichtet wurde, informiert. Der Sozialstaat entstand nach dem Ersten Weltkrieg. Früher oblag Wohltätigkeit Stiftungen wie dem Armeninstitut, der Bettelsäckelstiftung und der Maria-Magdalena-Pflege.

Weltwissen aus vergangenen Jahrhunderten: Sebastian Münsters „Cosmographia“ aus dem Jahr 1598. Das wertvolle Exemplar wurde der Stadt von Jutta Gnaiger-Rathmanner geschenkt.
Weltwissen aus vergangenen Jahrhunderten: Sebastian Münsters “Cosmographia” aus dem Jahr 1598. Das wertvolle Exemplar wurde der Stadt von Jutta Gnaiger-Rathmanner geschenkt. Henning Heilmann

Fünfte Station auf Stifter-Spurensuche war die Stadtbibliothek, wo Sebastian Münsters Cosmographia ausgestellt ist, eines der berühmtesten Bücher der frühen Neuzeit. Das Exemplar von 1598 mit einem Holzschnitt der Stadt Feldkirch wurde der Stadt von Jutta Gnaiger-Rathmanner als Schenkung überlassen. Bibliotheksleiterin Renate Mille schlug besonders wertvolle antike Bücher auf, wie die Schedelsche Weltchronik, eine illustrierte Darstellung der Geschichte mit einzigartigen Holzschnitten. Ohne zahlreiche Stifter hätte die Stadtbibliothek nie solche Schätze erhalten, darunter Apotheker August Clessin, der 1868 1000 Gulden zur Gründung stiftete, Altbürgermeister Anton Gohm (1878–1955), der die Tschavollsche Bibliothek mit 3800 Büchern stiftete, ebenso wie Jurist Elmar Grabherr, der der Stadt 15.700 Bücher vermachte. Bücher hatten einst einen viel höheren Wert: “500 Schafe oder 700 Ziegen für eine Gutenberg-Bibel”, wusste Gerold.

Ein Blick in die Bücherwelt: Bibliotheksleiterin Renate Mille präsentierte den Teilnehmern wertvolle historische Werke.
Ein Blick in die Bücherwelt: Bibliotheksleiterin Renate Mille präsentierte den Teilnehmern wertvolle historische Werke. Henning Heilmann

Weiter ging es zum Sparkassenplatz, wo nach einer Schenkung von Dr. Josef Häusle 1923 das erste Altersheim der Stadt Feldkirch entstand. An der siebten Station, dem Dom, wurde der Blick auf den Marienaltar, die Monstranz und schließlich den Annenaltar gerichtet. Das bedeutende Werk von Wolf Huber mit der Beweinung Christi ist ein Kunstschatz von Weltrang. Die St.-Anna-Bruderschaft, welche das Kunstwerk in Auftrag gab, war auch in der Sozialfürsorge und Krankenpflege aktiv.

Ein Dach für den Lebensabend: Dank einer Schenkung von Dr. Josef Häusle entstand 1923 am heutigen Sparkassenplatz das erste Altersheim der Stadt Feldkirch.
Ein Dach für den Lebensabend: Dank einer Schenkung von Dr. Josef Häusle entstand 1923 am heutigen Sparkassenplatz das erste Altersheim der Stadt Feldkirch. Henning Heilmann

Zahlreiche Teilnehmer

Abgerundet wurde die Führung im Haus am Katzenturm, wo Jutta Gnaiger-Rathmanner, die das Haus für Umweltverbände gestiftet hat, über die Impulse Stiftung informierte. Gerold gab zudem einen Überblick über Privatstiftungen und gemeinnützige Stiftungen. Am Rundgang nahmen HAK-Direktor Michael Weber, Sabine Sutterlütti und Christoph Volautschnik teil. HE

Die Führung „Feldkirch – die Stadt der Stifterinnen und Stifter“ wird am Mittwoch, den 12. Mai 2027 nochmals angeboten.

Zahlreiche Interessierte nahmen an der Führung „Feldkirch – die Stadt der Stifterinnen und Stifter“ teil. Unter ihnen waren auch HAK-Direktor Michael Weber und Sabine Sutterlütti.
Zahlreiche Interessierte nahmen an der Führung “Feldkirch – die Stadt der Stifterinnen und Stifter” teil. Unter ihnen waren auch HAK-Direktor Michael Weber und Sabine Sutterlütti. Henning Heilmann
Auf Stifter-Spaziergang: Elisabeth Perkmann und Christine Netzer verfolgten die Führung aufmerksam.
Auf Stifter-Spaziergang: Elisabeth Perkmann und Christine Netzer verfolgten die Führung aufmerksam. Henning Heilmann
Kunst von Weltrang: Im Feldkircher Dom richtete sich der Blick der Besucher auf bedeutende sakrale Kunstwerke, darunter den Marienaltar und den Annenaltar.
Kunst von Weltrang: Im Feldkircher Dom richtete sich der Blick der Besucher auf bedeutende sakrale Kunstwerke, darunter den Marienaltar und den Annenaltar. Henning Heilmann
Verantwortung für die Gemeinschaft: Im Haus am Katzenturm informierte Jutta Gnaiger-Rathmanner über die Impulse Stiftung. Sie selbst hat das Haus für Umweltverbände gestiftet.
Verantwortung für die Gemeinschaft: Im Haus am Katzenturm informierte Jutta Gnaiger-Rathmanner über die Impulse Stiftung. Sie selbst hat das Haus für Umweltverbände gestiftet. Henning Heilmann