Zu wenig Kassen-Augenärzte: Bezirk Feldkirch stark unter Druck

VN / 22.10.2026 • 15:35 Uhr
Zu wenig Kassen-Augenärzte: Bezirk Feldkirch stark unter Druck
Die zunehmende Belastung der Ordinationen macht den Kassenarztberuf laut Ärztekammer Vorarlberg für Jungmediziner nicht attraktiv. Canva

Bald sollen drei von sechs Kassenstellen im Bezirk Feldkirch unbesetzt sein. Was Abhilfe schaffen soll.

Feldkirch Zwei Augenarzt-Kassenstellen sind im Bezirk Feldkirch aktuell unbesetzt. Im Jänner soll eine dritte hinzukommen. Damit wäre die Hälfte der Kassenstellen des Bezirkes offen. “Die Kassenverträge an sich sind, vor allem hinsichtlich des solidarischen Gesundheitssystems, eine attraktive Sache”, sagt Alexandra Rümmele-Waibel, Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte bei der Ärztekammer Vorarlberg. “Aber der zunehmende Druck auf die einzelnen Ordinationen führt nicht dazu, dass dadurch die Attraktivität für Jungmediziner steigt.”

Zu wenig Kassen-Augenärzte: Bezirk Feldkirch stark unter Druck
Alexandra Rümmele-Waibel ist selbst Kassenärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, da sie das Kassensystem als eine wichtige Säule im Gesundheitssystem ansieht. Ärztekammer für Vorarlberg

Grund für den Mangel

Der starke Mangel in Feldkirch hänge laut Rümmele-Waibel nicht mit der Konkurrenz zum Landeskrankenhaus des Bezirks zusammen. Er sei vor allem auf den massiven Druck zurückzuführen, der auf den bestehenden Kassenaugenärzten laste. Denn eine Stelle ist seit sechs Jahren und die andere seit einem halben Jahr nicht besetzt. Also eine Art Schneeballeffekt.

“Wir suchen das Gespräch mit Augenärzten, aber wir können auch keine für die Niederlassung herzaubern”, schildert Rümmele-Waibel. Augenärzte gibt es grundsätzlich genug, es besteht lediglich ein Mangel an Kassenaugenärzten. “Dass wir den bis Jänner lösen werden, halte ich für utopisch. Aber es gilt, dranzubleiben.”

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Maßnahmen

Laut Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) gibt es in den meisten anderen Bundesländern kaum vergleichbare Besetzungsprobleme im Fachgebiet Augenheilkunde und Optometrie.

Sie versuche, den Mangel einerseits durch ein erweitertes Job-Sharing-Modell auszugleichen. Bei diesem kann eine besetzte Kassenstelle erweitert werden, wenn in der Umgebung eine offen ist. Andererseits wurde in Vorarlberg 2021 eine Förderung von Lehrpraxen für Augenheilkunde ins Leben gerufen. Diese gäbe es wegen der starken Unterbesetzung nur hier. Eine geförderte Lehrpraxis ermöglicht angehenden Augenärzten, im Zuge ihrer Ausbildung praktische Erfahrungen bei einem Kassenarzt zu sammeln.

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Vonseiten der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) heißt es, dass sie stets bemüht sei, die im Stellenplan vorgesehenen Stellen für Augenheilkunde und Optometrie möglichst lückenlos zu besetzen.Stiplovsek Dietmar pauschal

Langfristig denken

Seit 2021 gab es sechs Personen, die die geförderte Lehrpraxis absolvierten. Die Hälfte davon ist nun im Kassenbereich tätig, etwa Benedikt Matt. Seit drei Jahren arbeitet der 38-jährige Bregenzer als Privat- und Kassenaugenarzt in Lustenau.

“Für frisch ausgebildete Augenärzte kann der Schritt in eine eigene Kassenpraxis mit einer gewissen Hemmschwelle verbunden sein – etwa wegen der hohen Eigenverantwortung und der Herausforderungen der Selbstständigkeit”, beschreibt Matt. Die geförderte Lehrpraxis habe ihm den Einstieg deutlich erleichtert.

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Benedikt Matt ist der Meinung, dass man im Kassensystem zwar gewisse Rahmenbedingungen verbessern könnte, jedoch sei es auch jetzt schon attraktiv und wertvoll für die Ärzte und die Gesellschaft. Christa Engstler

Im November wird Benedikt Blasius eine solche Lehrpraxis in der Ordinationsgemeinschaft bei Dr. Sinner in Bludenz beginnen. “Ich weiß noch nicht, ob ich im Krankenhaus bleiben oder den Weg in die Niederlassung wählen werde”, sagt der 36-jährige Feldkircher. “Aber die geförderte Lehrpraxis ist auf jeden Fall hilfreich, um die Herausforderungen und Möglichkeiten in einer Kassenordination kennenzulernen.” Finanziert wird sie von der ÖGK, dem Land und dem Lehrpraxisinhaber.

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Bis zu zwölf Monate lang kann man eine geförderte Lehrpraxis absolvieren; Benedikt Blasius hat fünf Monate gewählt. LKH Feldkirch

14 Monate Ausbildungszeit hat Benedikt Blasius bis zum Facharzt. Auch wenn er sich für einen Kassenvertrag entscheiden würde, würde es also noch dauern, bis er zum Ausgleich des aktuellen Mangels beitragen könnte. “Zwar hat die geförderte Lehrpraxis keinen kurzfristigen Effekt, jedoch muss man in dem Bereich langfristig denken”, erklärt Rümmele-Waibel.

Die Voraussetzungen für die kommenden Jahre seien vielversprechend, da am Landeskrankenhaus Feldkirch derzeit zehn angehende Augenärzte ausgebildet würden – so viele wie noch nie.

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