Zu wenig Kassen-Augenärzte: Bezirk Feldkirch stark unter Druck

Bald sollen drei von sechs Kassenstellen im Bezirk Feldkirch unbesetzt sein. Was Abhilfe schaffen soll.
Feldkirch Zwei Augenarzt-Kassenstellen sind im Bezirk Feldkirch aktuell unbesetzt. Im Jänner soll eine dritte hinzukommen. Damit wäre die Hälfte der Kassenstellen des Bezirkes offen. “Die Kassenverträge an sich sind, vor allem hinsichtlich des solidarischen Gesundheitssystems, eine attraktive Sache”, sagt Alexandra Rümmele-Waibel, Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte bei der Ärztekammer Vorarlberg. “Aber der zunehmende Druck auf die einzelnen Ordinationen führt nicht dazu, dass dadurch die Attraktivität für Jungmediziner steigt.”

Grund für den Mangel
Der starke Mangel in Feldkirch hänge laut Rümmele-Waibel nicht mit der Konkurrenz zum Landeskrankenhaus des Bezirks zusammen. Er sei vor allem auf den massiven Druck zurückzuführen, der auf den bestehenden Kassenaugenärzten laste. Denn eine Stelle ist seit sechs Jahren und die andere seit einem halben Jahr nicht besetzt. Also eine Art Schneeballeffekt.
“Wir suchen das Gespräch mit Augenärzten, aber wir können auch keine für die Niederlassung herzaubern”, schildert Rümmele-Waibel. Augenärzte gibt es grundsätzlich genug, es besteht lediglich ein Mangel an Kassenaugenärzten. “Dass wir den bis Jänner lösen werden, halte ich für utopisch. Aber es gilt, dranzubleiben.”
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Maßnahmen
Laut Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) gibt es in den meisten anderen Bundesländern kaum vergleichbare Besetzungsprobleme im Fachgebiet Augenheilkunde und Optometrie.
Sie versuche, den Mangel einerseits durch ein erweitertes Job-Sharing-Modell auszugleichen. Bei diesem kann eine besetzte Kassenstelle erweitert werden, wenn in der Umgebung eine offen ist. Andererseits wurde in Vorarlberg 2021 eine Förderung von Lehrpraxen für Augenheilkunde ins Leben gerufen. Diese gäbe es wegen der starken Unterbesetzung nur hier. Eine geförderte Lehrpraxis ermöglicht angehenden Augenärzten, im Zuge ihrer Ausbildung praktische Erfahrungen bei einem Kassenarzt zu sammeln.

Langfristig denken
Seit 2021 gab es sechs Personen, die die geförderte Lehrpraxis absolvierten. Die Hälfte davon ist nun im Kassenbereich tätig, etwa Benedikt Matt. Seit drei Jahren arbeitet der 38-jährige Bregenzer als Privat- und Kassenaugenarzt in Lustenau.
“Für frisch ausgebildete Augenärzte kann der Schritt in eine eigene Kassenpraxis mit einer gewissen Hemmschwelle verbunden sein – etwa wegen der hohen Eigenverantwortung und der Herausforderungen der Selbstständigkeit”, beschreibt Matt. Die geförderte Lehrpraxis habe ihm den Einstieg deutlich erleichtert.

Im November wird Benedikt Blasius eine solche Lehrpraxis in der Ordinationsgemeinschaft bei Dr. Sinner in Bludenz beginnen. “Ich weiß noch nicht, ob ich im Krankenhaus bleiben oder den Weg in die Niederlassung wählen werde”, sagt der 36-jährige Feldkircher. “Aber die geförderte Lehrpraxis ist auf jeden Fall hilfreich, um die Herausforderungen und Möglichkeiten in einer Kassenordination kennenzulernen.” Finanziert wird sie von der ÖGK, dem Land und dem Lehrpraxisinhaber.

14 Monate Ausbildungszeit hat Benedikt Blasius bis zum Facharzt. Auch wenn er sich für einen Kassenvertrag entscheiden würde, würde es also noch dauern, bis er zum Ausgleich des aktuellen Mangels beitragen könnte. “Zwar hat die geförderte Lehrpraxis keinen kurzfristigen Effekt, jedoch muss man in dem Bereich langfristig denken”, erklärt Rümmele-Waibel.
Die Voraussetzungen für die kommenden Jahre seien vielversprechend, da am Landeskrankenhaus Feldkirch derzeit zehn angehende Augenärzte ausgebildet würden – so viele wie noch nie.