Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ein akustisches Denkmal

Kultur / 06.11.2012 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es war eigentlich eine Gedenkveranstaltung an einen Mann, der vor gut einem halben Jahr in hohem Alter gestorben ist: Galles Veres Franz, so war der Hausname von Franz Metzler aus Bizau. Er war Unternehmer, obwohl er eigentlich Mathematik und Theologie studieren wollte. Diesen Wunsch zerstörte der Zweite Weltkrieg. Es gab kein langes Klagen über diese Änderung der Lebensplanung, Franz Metzler brachte sich nicht nur im Sägewerk ein, er war auch im Dorf fast überall vertreten. In der Gemeindestube ebenso wie in den verschiedenen Vereinen. Vieles von dem, was heute in Bizau selbstverständlich ist, trägt auch die Handschrift Franz Metzlers. Seine besondere Vorliebe aber war der Theaterverein Bizau, der älteste des Landes, der auf eine Gründung des Mundartdichters Gebhard Wölfle im Jahre 1864 zurückgeht.

Im Theaterverein ging Franz Metzler auf, als Schauspieler, als Regisseur, als Obmann und als Übersetzer von Stücken aus dem Hochdeutschen in den Bregenzerwälder Dialekt. Und sein großes Vorbild, seine große Liebe war Gebhard Wölfle. Viele seiner Gedichte konnte er auswendig, alle Gedichte, die zu Liedern vertont wurden – und das waren viele – sowieso.

Nun wollte der Theaterverein seinem verstorbenen Spielleiter so etwas wie ein akustisches Denkmal setzen. Und deshalb wurde eine CD zusammengestellt, auf der „Galles Veres Franz“ (so auch der Titel) 26 Gedichte von Gebhard Wölfle liest, deren Aufnahmen sich alle im Archiv des ORF Vorarlberg fanden. Ergänzt werden diese Gedichte durch Wälderlieder, die Mitglieder des Theatervereins singen – so, wie das Galles Veres Franz nach allen Aufführungen des Theaters haben wollte.

Am vergangenen Sonntag wurde diese CD (zu beziehen über das Gemeindeamt Bizau) im Gebhard-Wölfle-Saal vorgestellt. Viele Veranstaltungen habe ich in diesem Saal schon gesehen, noch nie aber so viele interessierte Menschen. Mitglieder des Theatervereins saßen auf der Bühne, Gedichte Wölfles wurden durch Kinder vorgetragen (wohl die nächste Generation des Theatervereins), die Lieder wurden immer vom ganzen Saal gesungen. Es war eine außergewöhnliche Stimmung, eine Veranstaltung, wie sie – so glaube ich – nur in Bizau sein kann. Es war schlichtweg großartig – und sicher das Beste, was man zum Gedenken an einen besonderen Menschen tun konnte.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.