Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

ORF war Thema im Landtag

Kultur / 14.12.2012 • 21:58 Uhr

Erstmals wurde im Vorarlberger Landtag am Mittwoch die gesamte Budgetdebatte auf einen Tag verkürzt. Ich bin nicht sicher, dass das eine Änderung zum Guten ist. Nicht, dass man sich bisher an den hochstehenden Diskussionen hätte ständig erbauen können, aber bisweilen gab es doch so etwas wie Debatten, Rede und Gegenrede. Das ist damit endgültig vom Tisch. Das ist schade, denn nun ist das, was ein Parlament ausmacht, noch reduzierter, nun verlagert sich die Diskussion noch deutlicher in die Ausschüsse – also hinter geschlossene Türen. Das Parlament wird noch mehr zur Abstimmungsmaschine degradiert.

Die Kulturdebatte im Landtag war damit auch eine Aneinanderreihung von Wortmeldungen der verschiedenen Parteisprecher. Aber immerhin überraschte ein Thema: Johannes Rauch von den Grünen und Christoph Winder (ÖVP) kritisierten Anzeichen, dass die Kultur im ORF-Landesstudio geschwächt werden könnte. Vor allem dürfe sich der ORF nicht von der Berichterstattung der Kulturereignisse jenseits des Mainstream verabschieden. Diese Gefahr zeichne sich angesichts einer personellen Schwächung der Kulturredaktion ab.

Der freiheitliche Abgeordnete Hubert Kinz rollte das Thema in seinem Beitrag zur Wirtschaftsdebatte auf: Die Kultur spiele im Tourismus eine besondere Rolle, es gehe um ein Hinaustragen der Kultur des Landes im Programm des ORF, was er bei der derzeitigen Entwicklung nicht gewährleistet sehe. Die Schwächung der Kultur im Gesamtgefüge des Landesstudios zeigt sich auch in einer Ausschreibung: Für den bisherigen Kulturchef, Manfred Welte, der das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt, wird kein neuer Leiter der Kulturredaktion, sondern nur ein Redakteur, der die Kultur-Koordination wahrnehmen soll, gesucht. Wer bei Unternehmen wie dem ORF zwischen den Zeilen lesen kann, der weiß, dass das das Ende einer eigenständigen Kulturredaktion ist.

PS (in anderer Sache): Nachdem ich oft darauf angesprochen wurde: Ein Leserbriefschreiber mit gleichem Namen wie ich hat sich in dieser Zeitung über die Architektur des neuen Landesmuseums ausgelassen. Ich halte fest, dass ich das nicht geschrieben habe und dass ich auch eine völlig andere Meinung vertrete: Ich halte das Museum für eine architektonische Bereicherung von Bregenz. Genaueres wird noch zu sagen sein.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.