Der Silberaltar von St. Gallus
Als ich noch jung war, damals auch Ministrant in der Bregenzer Pfarrkirche St. Gallus, wurde bis in die 60er-Jahre zu hohen kirchlichen Anlässen der sogenannte Silberaltar auf dem barocken Hochaltar der Kirche aufgestellt. Über 200 Jahre war das so, denn der Altar wurde 1749 von der Pfarre von „der edlen Familie von Deuring“ mit Sitz im Deuringschlößle erworben. Über lange Zeit ist der Silberaltar aber nicht mehr aufgestellt worden, er ist damit aus dem Jahreslauf der Kirche und somit auch weitgehend aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Nun aber ist er wieder da. In Schönheit ist er erstanden, neu und dauerhaft aufgestellt im linken Querschiff, auf neuem, von Architekt Karl Sillaber gestaltetem Aufbau. Nun steht er Auge in Auge mit dem Betrachter, nun ist er endlich zu den Menschen gerückt.
Gefertigt wurde dieses Kunstwerk – zumindest in den wesentlichen Teilen – von dem Bregenzer Silberschmied Johann Georg Zwicklin, was durch die Meistermarke „IGZ“ bestätigt ist. Zwicklin, von dem auch Teile eines kleineren Silberaltars in Bildstein bekannt sind, orientierte sich ganz am Vorbild der großen Augsburger Meister. Der Silberaltar ist „das wohl prunkvollste barocke Kunstwerk in Vorarlberg“. So kann man das in der Broschüre „wiederhergestellt 13“ (einer Reihe des Bundesdenkmalamts) lesen. Und tatsächlich: Es gibt weitum nichts Vergleichbares. Der Silberaltar sei, so meint das Denkmalamt weiter, „das letzte mitteleuropäische Dokument einer großen silbernen Festtagsdekoration, die sich am Ort ihres ursprünglichen Gebrauchs erhielt“.
Das Programm des Altars zeigt Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, daneben auch lokale Hinweise. So finden sich der Blick vom Thalbach über den Bodensee und das Deuringschlößchen, in dessen Kapelle der Altar ursprünglich wohl stand, im zentralen Relief, zudem die lokalen Heiligen St. Gallus und St. Gebhard. In den letzten Jahren wurde der Silberaltar, der sich aus über 40 Einzelteilen zusammensetzt, aufwendig restauriert – eine bemerkenswerte Leistung, die von der Pfarre, dem Denkmalamt, der Stadt und dem Land finanziert wurde. Nicht zuletzt aber standen einige engagierte Mitglieder der Pfarre bei diesem Unternehmen Pate – durchaus gegen vorhandenen Widerstand. Man darf ihnen für ihre Standhaftigkeit danken.
walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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