Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Soll man ihnen jetzt glauben?

Kultur / 22.01.2013 • 22:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das war ein kurioses Wochenende, diese Volksbefragung, die eigentlich eine Volksabstimmung sein sollte. Eine Abstimmung wurde es tatsächlich, wenn auch über eine andere Sache als jene, die gefragt wurde. Denn aufgrund von Umfragen ist klar, dass die Menschen nicht über Wehrpflicht oder Berufsheer entschieden haben, sondern vor allem über den Zivildienst. 70 Prozent all jener, so sagen die Meinungsforscher (und diesmal glaube ich ihnen sogar), die für die Beibehaltung der Wehrpflicht gestimmt haben, meinten nicht die militärische Landesverteidigung, sondern die Beibehaltung des Zivildiensts.

Vor allem die älteren Menschen hatten Angst, dass das mit dem Roten Kreuz, mit der Sanität, mit dem rollenden Essenstisch, kurz: mit den verschiedenen Sozial­aufgaben der freiwilligen Helfer ohne Zivildienst nicht mehr funktionieren würde. Insofern hatte die ÖVP mit ihrer Panikmache „Erfolg“. Und die SPÖ konnte nicht vermitteln, dass das mit einem bezahlten freiwilligen Jahr auch gesichert werden könnte.

Kurios war auch eine Meldung, die von „Vorarlberg heute“ am Sonntag gebracht wurde: Direkt im Anschluss an die Wahlberichterstattung zur Bundesheer-Abstimmung zeigte man einen Bundesheer-Lkw, der in Hohenems von der Straße abgekommen und im Morast versunken war. Rettung brachte die freiwillige Feuerwehr, die das Lastauto wieder herauszog. Ein schönes Bild zur optischen Abrundung des Tages.

Ebenso kurios waren auch die Bilder, die man in der „Zeit im Bild“ sehen konnte: zufriedene Gesichter bei der ÖVP, so, als hätte man eine Schlacht gewonnen. Nur zur Schau gestellte Zufriedenheit bei der SPÖ, die glauben machen sollte, dass die Entscheidung gegen ein Berufsheer nichts mit der Partei zu tun hätte. Im Gegenteil, so wurde bekräftigt, man freue sich nun auf die Aufgabe, das Bundesheer in seiner alten Form zu reformieren. Dass dazu in den letzten 50 Jahren schon viele Verteidigungsminister der ÖVP, FPÖ und SPÖ genügend Zeit gehabt hätten, wurde geflissentlich verschwiegen.

Schließlich ist man ja ganz demokratisch und hat diese Volksbefragung dringend gebraucht, um nun zur guten Tat und zu einer völlig neuen Aufstellung des Bundesheers zu schreiten. Das mögen die Herrschaften erzählen, wem sie wollen. Die Wähler aller Parteien werden ihnen das, so hoffe ich, nicht mehr glauben.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.