Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Mehr Mut hätte wohlgetan

Kultur / 01.03.2013 • 21:27 Uhr

Es war vor ziemlich genau einem Vierteljahrhundert, als der damalige scheidende Landeshauptmann Herbert Keßler ins Gasthaus „Zoll“ an der Bregenzer Achbrücke einlud. Bei einem kleinen Essen stellte er seinen Nachfolger als Kulturlandesrat vor: Guntram Lins, Rechtsanwalt, und schon bisher in der Regierung für Finanzen zuständig, sollte folgen. Eine heftige Diskussion mit Keßler und auch Lins folgte, denn für mich war es völlig unverständlich, dass man einen Juristen, Legisten und Finanzpolitiker zum obersten Kulturpolitiker des Landes machen konnte. Das, so meinte ich damals, könne nur jemand tun, der keine Ahnung habe.

Wie sehr ich damals mit der Einschätzung von Guntram Lins daneben gelegen bin, weiß heute jeder. Lins wurde zum legendären Kulturlandesrat, hochgeschätzt von Künstlern und Kulturgruppen. Auch sein Nachfolger Hans-Peter Bischof war trotz nicht einschlägiger Ausbildung, nämlich Mediziner und Herz-Spezialist, ein hervorragender Kulturlandesrat wie dann auch noch der heutige Landeshauptmann Markus Waller, der auch nicht gerade „aus dem Kulturstall“ kam. Drei Beispiele, dass man nicht meinen sollte, Landesrat müsse jemand aus dem inneren Zirkel der Kultur sein. Deshalb sollte man auch dem kommenden Kulturlandesrat Harald Sonderegger, ebenfalls Jurist, zugestehen, dass er in seine Funktion hineinwachsen und uns, so hoffen wir, positiv überraschen wird.

Ein anderes Thema brachte in einem Gespräch aber ein altgedienter Politiker auf den Tisch: Warum, so frage er sich, hält man so sklavenartig an der Ressortverteilung fest. Es mache doch keinen Sinn, dass der neue Landesrat nicht nur die Kultur, sondern – als Erbe von Andrea Kaufmann – auch noch den Hochbau bekomme. Bei genauerer Betrachtung fragt man sich wirklich, warum die jüngsten Wechsel in der Regierung nicht zum Anlass genommen wurden, um eine Art Flurbereinigung der Referate durchzuführen. Die wäre nämlich dringend notwendig, denn es gibt Referate, die sozusagen einen in sich gegebenen Zusammenhang haben. Beispielsweise gehören Schule, Wissenschaft und Kultur inhaltlich zusammen – so wie es ja früher auch einmal war. Der Hochbau gehört nicht dazu. Also wäre es möglich und richtig gewesen, anlässlich der vielen Neubesetzungen in der Regierung der letzten Zeit auch einmal die Referate zu durchforsten. Da hätte mehr Mut zur Veränderung wohlgetan.

walter.fink@vn.vol.at
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