Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Lehrer sein – nicht mehr attraktiv?

Kultur / 05.04.2013 • 19:39 Uhr

Lange ist es her, dass der Lehrer im Dorf einer der wichtigsten und angesehensten Männer war (Frauen hat es im Lehrberuf damals noch nicht gegeben). Da gab es – in dieser Rangordnung – den Pfarrer, dann den Bürgermeister und schließlich den Lehrer. Das waren die drei, die die Dinge im Dorf bestimmten. Der erste, der Pfarrer, war für alles zuständig, er bestimmte alles, sozusagen im Himmel und auf Erden.

Der Bürgermeister war die einzige staatliche Macht, mit der die Menschen zu tun hatten. Und der Lehrer war zuständig für das Erlernen der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen sowie für andere Dinge, die man damals zur Bildung zählte. Vor allem auch für die historischen Bereiche, etwa Dorfchroniken. Wobei das mit dem Lesen eher ein Problem war, denn lesende Menschen wollte damals niemand, vor allem nicht der Pfarrer – wie man bei Franz Michael Felder anschaulich nachlesen kann.

Das Ansehen der Lehrer hat sich seit damals verändert, von Ansehen kann heute kaum mehr die Rede sein. Maßgeblichen Anteil daran hat die Politik, die die Lehrer geradezu sträflich verunglimpft, sie immer wieder pauschal als faul und reformresistent angeprangert hat.

Dabei war es wohl eher umgekehrt: Die Bildungspolitik dieses Landes hat über Jahrzehnte versagt, hat es versäumt, der Jugend eine Schule zu bieten, die ihren Bedürfnissen und zudem auch den Anforderungen einer zeitgemäßen Bildungsgesellschaft entsprochen hätte. Bildungspolitik war ein Fremdwort in der österreichischen Politik. Und ist es weitgehend auch heute noch, wenn man sich die Leistungen unserer Schüler in internationalen Vergleichen ansieht. Über Bildungspolitik wird bei uns vor allem gestritten – aber es bewegt sich nichts, weil die Schulen und Ausbildungsstätten für die Jugendlichen Zankapfel ideologischer Auseinandersetzungen von Rot und Schwarz sind.

Nun gibt es erste Anzeichen, dass zumindest etwas in Bewegung, dass es zu einer Angleichung der politischen Standpunkte in der Lehrerausbildung kommen könnte. Viel aber bleibt noch liegen, vor allem das neue Dienstrecht. Dass es bei den Lehrpersonen kaum Hoffnung auf Besserung gibt, zeigt wohl auch, dass es in Vorarlberg eine Reihe von ausgeschriebenen Direktorenposten gibt, für die sich niemand interessiert. Das Vertrauen in die Politik scheint unter den Lehrern gegen null zu gehen.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.