Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Stimmen suchen beim Jassen

Kultur / 19.04.2013 • 20:32 Uhr

Wir wissen alle, dass vielen Politikern fast nichts zu blöd ist, wenn die Möglichkeit besteht, damit ein paar Wähler zu fangen. Nicht überzeugen meine ich, denn überzeugen wäre Arbeit, da müsste man auch glaubhaft sein, müsste durch die Arbeit im Tageslauf schon manches in Bewegung gebracht haben. Überzeugen ist also schwierig, und so macht man es sich denn auch etwas leichter. Zum Beispiel bittet man die Wählerinnen und Wähler in einem Gasthaus zum Jass. Das jedenfalls hat sich der höchste Sozialdemokrat im Land, Michael Ritsch, Landesparteiobmann, roter Klubobmann im Landhaus und Stadtrat in Bregenz, vorgenommen. Und er hat das auch schon per Inserat in den Medien bekannt gemacht. Ein hübsches Foto, der Mann – wie es sich für einen echten Repräsentanten der Sozialdemokratie gehört – in Anzug und Krawatte, in der Hand zwei Jasskarten. Schealla Su, wie man die Schell Ass in Vorarlberg nennt, und den Herz Ober – wohl ein Hinweis auf den roten Hintergrund des politischen Kartenspiels.

Ohne zu wissen, wer der Spin-Doctor, der politische Berater von Michael Ritsch ist, wage ich die Behauptung, dass dem roten Häuptling da kein aufgelegter Matsch serviert wird, wie das so schön in der Jassersprache heißt. Vielmehr könnte das, um in der einschlägigen Diktion zu bleiben, zu einem „Bur-Sack“ führen. Und der ist bekanntlich teuer. Aber das sind die Spin-Doctoren, wie wir wissen, auch. Dafür ziehen sie sich, unter Hinterlassung einer kräftigen Rechnung, diskret zurück, wenn ihre bedeutenden Ideen nicht erfolgreich gewesen sind.

So könnte es Michael Ritsch auch am Jasstisch ergehen. Denn der Werbeslogan „Jass den Ritsch“ erinnert doch stark an die Ankündigungen im Musikbereich, wenn da einer der Stars kommt und man in der Zeitung lesen kann, dass die oder der „die Messehalle rockt“. Ritsch rockt nicht, er jasst. Und zwar quer durch Vorarlberg. An 15 Terminen, in 15 Orten, in 15 Gasthäusern, jeweils um 18 Uhr, von Hörbranz bis Bürs, also im ganzen Land. Jeder kann mitmachen. Und man darf nicht nur jassen mit Michael Ritsch, man darf auch seine Anliegen vorbringen. Und nachdem heute Parteifreund Bundeskanzler Werner Faymann auf Wahlkampftour ins Land kommt, könnten die beiden SP-Chefs doch gemeinsam mit den Wählern jassen. Vielleicht gehen sie dabei auch „Bur-Sack“.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.