Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Authentisches Vermächtnis

Kultur / 26.07.2013 • 18:30 Uhr

In einem Interview zu einem Film über den Bregenzer Maler Hubert Berchtold hat sein Freund, der Dichter Martin Walser, im Jahr 1987 gemeint: So wie Berchtold gemalt hat, so müsste man schreiben können – mit gleichem Risiko und ebenso unsicherem Ausgang. Hubert Berchtold ist vor dreißig Jahren, 1983, im Alter von 61 Jahren gestorben. Im Bregenzer Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis ist derzeit eine umfangreiche Gedenkausstellung zu sehen. Endlich, ist man versucht zu sagen, endlich bekommt Berchtold jene Ausstellung, die ihm schon lange gebührt hätte.

Gut fünfzig Bilder hat der Kurator, Thomas Schiretz vom Kulturamt der Stadt Bregenz, zusammengetragen, den Großteil aus privaten Sammlungen. Das erste Bild von 1946, als Berchtold gerade einmal 24 Jahre war, das letzte aus dem Jahr 1982, ein Bogen also über die gesamte Zeit seines künstlerischen Schaffens. So ist es besonders spannend, die Entwicklung von den frühen Arbeiten bis hin zu jenen, die durch seine Aufenthalte in Spanien ab Mitte der Siebzigerjahre beeinflusst sind, zu verfolgen. Auch drei Jahrzehnte nach seinem Tod ist man gefesselt von der kraftvollen Malerei Berchtolds, von der Intensität der Farben und des Ausdrucks. Mit Recht wurde er als einer der wesentlichsten Künstler Vorarlbergs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Zu lange allerdings war nichts mehr von ihm zu sehen, so lange, dass er im Bewusstsein vor allem der jüngeren Generation kaum mehr wahrgenommen wurde. Diese Ausstellung, die von Schiretz locker und klug gehängt wurde, könnte dem gegensteuern.

Erfreulich, dass ein informativer Katalog aufgelegt wurde, in dem vor allem der Text von Angelika Stimpfl bemerkenswert ist, die über Berchtold auch wissenschaftlich gearbeitet hat: „Berchtolds Bilder sind ein authentisches Vermächtnis, die Fülle eines menschlichen Daseins aus all seinen körperlichen, gefühlsbezogenen und geistigen Facetten, komprimiert in Kunst.“ Im Katalog ist auch ein Beitrag der Bregenzer Kulturstadträtin Judith Reichart, die auf die lange Tradition der Bregenzer Sommerausstellungen verweist. In ihrer Auflistung vergisst sie allerdings, alle großartigen Ausstellungen des früheren Kulturamtsleiters Oscar Sandner anzuführen. Das zeugt nicht nur von bescheidenem historischen Wissen, es ist auch in höchstem Maße peinlich.

walter.fink@vn.vol.at
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