Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ein guter Start für das Museum

Kultur / 02.08.2013 • 20:37 Uhr

Das neue Landesmuseum ist ins Gerede gekommen. Nicht zuletzt dank der nicht leicht nachzuvollziehenden Klage des vormaligen Leiters Tobias Natter gegen seinen Nachfolger, Direktor Andreas Rudigier. Wir werden sehen, was daraus werden wird – in ein schwebendes Verfahren soll hier nicht eingegriffen werden. Allerdings bedürfen manche Dinge, vor allem Zahlen, die hier genannt wurden, doch einer Objektivierung.

Beginnen wir damit, dass geschrieben wurde, es habe unter Natter Publikumsrekorde gegeben, „weit über 50.000 Besucher“ hätten damals die Drehkreuze des (alten) Museums in einem Jahr passiert. Nimmt man den Prüfbericht des Landesrechnungshofes vom November 2012 als Grundlage, dann konnte das Landesmuseum unter Tobias Natter seine höchste Besucherzahl im Jahr 2007 erzielen, genau waren das 41.171. Diese Zahl konnte im ersten Jahr von Natter aber nur deshalb erreicht werden, weil zum 200. Todestag von Angelika Kauffmann eine große Ausstellung ausgerichtet wurde. Ein Glücksfall für einen neuen Direktor. Und nur ganz nebenbei, weil derzeit so viel von Urheberrechten geredet wird: Dass Natter dabei auf wesentliche Vorbereitungen von seinem Vorgänger Helmut Swozilek zurückgreifen konnte, wurde damals nicht gerade in den Mittelpunkt der Informationen gestellt. In den Jahren darauf ging es mit den Besucherzahlen im Museum bergab: 2008 noch 26.106, im letzten Öffnungsjahr vor dem Neubau 2009 noch 20.006 Besucher. Nicht gerade ein Ruhmesblatt. Zum Vergleich: Direktor Andreas Rudigier kann seit Eröffnung am 21. Juni, also innerhalb von eineinhalb Monaten, bereits auf 22.000 Interessierte verweisen, die das Museum besucht haben. Dass da natürlich ein nicht unerheblicher Teil auch aus Neugierde, ebenso aus Interesse an der Architektur gekommen ist, soll diese Zahl nicht schmälern. Für die Zukunft sollen es jährlich etwa 35.000 (zahlende!) Besucher sein – pro Tag also 100 Eintritte. Das ist durchaus eine ambitionierte Zahl und auch ein bisher imponierender Start.

Bei all diesen Zahlenspielereien sollten wir aber nicht vergessen, dass es beim Landesmuseum nicht darauf ankommt, neue Rekorde zu schreiben. Hier sollen Inhalte, hier soll Landesgeschichte vermittelt werden. Ob das tatsächlich der Fall ist, soll auch an dieser Stelle in nächster Zeit untersucht werden.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.