Schönes Zusammentreffen

VN-Kommentar von Walter Fink.
Am vergangenen Mittwoch begannen die jüdischen Gemeinden weltweit die Feierlichkeiten zum Pessachfest, das an die Befreiung der Israeliten aus der Unterdrückung der Pharaonen und den Auszug aus Ägypten erinnert. Es ist eines der größten Familienfeste der Juden, wer kann, reist nach Hause, was im heurigen Kriegsjahr nicht mehr so einfach sein wird. Das Fest dauert acht Tage und soll vor allem Hoffnung auf eine bessere Zukunft (in biblischer Zeit Ende der ägyptischen Sklaverei) machen. Gerade diese Hoffnung wird in diesen Tagen viele Jüdinnen und Juden in Israel tragen, die seit Jahren von Kriegen an allen Fronten gebeutelt sind. An vielen dieser Kriege ist die politische Führung des Landes zumindest mitbeteiligt, vieles kann man aus unserer Sicht nicht verstehen, vieles kann man gerade von einem Volk, das wie kein anderes Unterdrückung, Verfolgung, Terror und Tod durch andere erleiden musste, nicht nachvollziehen.
Ungeachtet dessen begehen die Juden in diesen Tagen das Pessachfest, verbinden damit Hoffnung auf Ende des Krieges, auf Frieden und auch auf Normalität ihres Lebens.
Es mag Zufall sein oder auch nicht, dass genau am ersten Tag des Pessachfestes in Hohenems eine Ära zu Ende ging. Der langjährige Direktor des Jüdischen Museums, Hanno Loewy, trat am vergangenen Mittwoch seine Pension an. Mehr als zwanzig Jahre stand Loewy dieser wichtigen Institution vor, er führte das Museum aus einer regionalen Anstalt und aus internen Querelen auf internationale Größe und Beachtung in der ganzen jüdischen Welt – und darüber hinaus. Er holte die jüdische Vergangenheit, die man bei uns oft ganz gerne vergessen hätte, wieder in die Gegenwart, er scheute sich nicht, den heutigen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern in Ausstellungen ins Museum zu bringen, er verteufelte – wie manche das gerne gesehen hätten – nicht die Palästinenser, sondern versuchte, die historischen Entwicklungen und Gegebenheiten so zu erklären, dass sie auch sonst bescheiden Informierte verstehen konnten.
Hanno Loewy war ein Glücksfall nicht nur für das Jüdische Museum Hohenems, er war auch ein Glücksfall für dieses Land. An ihm, dem Juden mitten im schwarz-blauen Land, entzündeten sich manche politischen Auseinandersetzungen, die nicht nur Rückschlüsse auf die Vorarlberger Geisteshaltung, sondern auch auf Personen zuließ. In bester Erinnerung sind die unerträglichen Vorwürfe, die der damalige FPÖ-Landesrat Dieter Egger gegenüber Loewy erhoben hatte, die dazu geführt hatten, dass ihm Landeshauptmann Herbert Sausgruber in bemerkenswerter Konsequenz den Sessel vor die Tür stellte. Ebenso bemerkenswert allerdings, dass der gleiche Dieter Egger, dann Bürgermeister von Hohenems, zu einem wichtigen Mitstreiter von Hanno Loewy im Jüdischen Museum wurde.
Hanno Loewy war ein großer Wisssender, er war ein wunderbar Streitbarer, ein erstaunlich Verzeihender – er war das Herz des Museums über Jahrzehnte. Wir wünschen ihm, dass er all diese Qualitäten in den Ruhestand retten und sie in anderer Form an anderem Patz weiter für die Menschen nutzbar machen kann. Denn wir sollten ihn trotz seines Abschieds im Museum nicht verlieren.