Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Die Römer – vor allem für Kinder

Kultur / 20.09.2013 • 21:22 Uhr

Im Jahre 15 vor Christus eroberten die römischen Feldherren Tiberius und Drusus, Stiefsöhne des Kaisers Augustus, die Region um den Bodensee. Über die nächsten Jahrhunderte entwickelte sich Brigantium, das römische Bregenz, zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Erster Ausgräber am Bregenzer Ölrain, wo sich das größte Gräberfeld fand, war der Industrielle Samuel Jenny, der mit Gleichgesinnten dann auch den Landesmuseumsverein gründete, aus dem das Vorarlberger Landesmuseum hervorging. Also, so sollte man erwarten, sind die römischen Ausgrabungen auch im neuen Landesmuseum entsprechend prominent vertreten.

Die römische Zeit in Vorarlberg findet man im neuen Museum unter dem Titel „Römer oder so“. Am Beginn steht ein großer Lageplan des Gräberfeldes aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt. Dazu kann man einen Film starten. Einen Zeichentrickfilm, der sich, wie man bald erkennt, an ein sehr jugendliches Publikum richtet. Und das ist das Problem der Ausstellung. Über interaktive Möglichkeiten, über Aufforderungen zum Zeichnen nach Objekten oder Anschauen von Zeichentrickfilmen sollen junge Menschen angesprochen werden. Das ist auch gut, aber es bleibt die Frage: Was macht hier ein Erwachsener? Noch dazu einer, der sich gerne mit der römischen Zeit in Vorarlberg auseinandersetzen würde. Ich denke, so jemand will hier nicht Puzzle spielen, sondern sich informieren. Damit aber bleibt er auf der Strecke.

Zudem: Wenn man die römischen Stücke aus der Zeit des „alten“ Landesmuseums kennt, dann sucht man Bekanntes, beispielsweise „Die goldene Hand“, die Hand einer Kolossalstatue mit einer Vase. Man sucht sie hier vergeblich. Finden würde man sie bei „Vorarlberg. Ein Making-of“, einen Stock höher. Oder man sucht die „Terra Sigillata“, die für die Fassade des Museums Pate gestanden hatten. Aber die findet man in „Buchstäblich Vorarlberg“ unter „Luxus“, einen Stock tiefer. Dort aber sucht man das nicht – und so findet man manches nicht.

Vielleicht sollte man möglichst schnell möglichst viele Schulen durch diese Ausstellung schicken – und dann eine römische Aufarbeitung für Erwachsene machen. Eine Aufarbeitung, die dem Thema gerecht wird.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.