Vorarlberg nach dem Alphabet
Ein besonders interessanter Teil des neuen Landesmuseums ist die Ausstellung „buchstäblich vorarlberg“ im zweiten Stock des Hauses. Da werden gestreng nach dem Alphabet einzelne Themen behandelt. Nun ist es nicht neu, dass Ausstellungen alphabetisch angeordnet werden (weshalb es nicht nachvollziehbar ist, dass der frühere Direktor Tobias Natter hier einen Urheberrechtsanspruch gerichtlich einklagen will), die Art aber, wie hier die Dinge dargeboten werden, ist doch oft überraschend.
Für den Buchstaben „c“ steht zum Beispiel „chränzle“, worunter Jungfrauenkronen zu verstehen sind, für „g“ das Vorarlberger „gsi“ in der Bedeutung von „gewesen“, denn da stehen viele Grabkreuze, für „k“ kommt die „kuh“, stellvertretend für das Tier werden Kuhglocken, zum Teil auch solche, die man „spielen“ kann, gezeigt. Die Auflistung ließe sich fortsetzen bis hin zum „z“, bei dem „zahla“ für Münzen steht. Neben der Kreativität bei der Findung der Bezeichnungen für die einzelnen Buchstaben besticht die Fülle der ausgestellten Stücke. Jedem Buchstaben bleibt nicht viel Raum, dieser Platz aber ist ausgenützt bis zum Letzten. Die Opulenz der Schau ist nicht nur spannend für den Betrachter, sie zeigt auch die zentrale Aufgabe des Museums: Sammeln. In einem Museum wird nichts entsorgt, da bleibt alles erhalten, zugeordnet, wissenschaftlich erfasst – auch wenn es sich um scheinbar nicht museumswürdige Dinge handelt. Solche finden sich auch in „buchstäblich vorarlberg“, Hunderte Schwertknäufe etwa oder Spielkarten in verschiedenster Ausführung. Zwei Künstler sind auch vertreten, Edmund Kalb unter „i“ wie „ich“ mit seinen Selbstbildnissen und Fritz Krcal unter „n“ wie „nachlass“. Dieser wurde dem Museum mit der Auflage übergeben, die Krcal-Bilder öffentlich zugänglich zu halten. Das hat man hier auf elegante Weise und mit wenig Platzaufwand mit „Schubwänden“ gelöst.
Für „buchstäblich vorarlberg“ wurde ein prächtig aufgemachter Bildband aufgelegt (erschienen im Hohenemser Bucher Verlag, herausgegeben von Andreas Rudigier und Gerhard Grabher), durch den man sich in Ruhe zu Hause den Dingen widmen kann. Und das ist notwendig, denn im Museum wird man von der Fülle des Gezeigten fast erschlagen. Allerdings: Es ist eine gute Form des Erschlagens. Zumindest für den, den’s interessiert.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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