Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wie werden wir sterben können?

Kultur / 01.11.2013 • 20:31 Uhr

An Tagen wie diesen scheint es möglich, vielleicht auch sinnvoll, sich etwas näher mit dem Sterben zu befassen als an den gewöhnlich zu umtriebigen Zeiten des Jahres. Einen interessanten Weg dazu hat die Hospiz-Bewegung gefunden, die von bekannten Personen – etwa von Christiane Hörbiger oder Cornelius Obonya – „Totenmasken“ anfertigten und sie über den Tod sprechen ließ. (www.caritashospiz.at) Es ist interessant, diese kurzen Überlegungen, diese Vorstellungen und Wünsche über den eigenen Tod zu hören. Manche Dinge, die man auch so sagen würde, kann man hören. Etwa: „Vorm Tod muss man keine Angst haben – vorm Sterben muss man Angst haben“, nämlich vor Siechtum, Schmerzen und Ähnlichem, oder: „Ich glaube, der Gedanke, dass jemand auf mich wartet, das würde mich trösten“. Viele Überlegungen werden hier geäußert, die zwar kein neues Licht auf den Tod werfen (wie könnte das auch sein?), die aber doch dazu anregen, sich das eigene Gehen aus dieser Welt zu überlegen.

Der vielleicht bekannteste Todesfall der Weltgeschichte wird in einem neuen, ungewöhnlichen Buch behandelt. „Vater, warum hast Du mich verlassen“ ist der Titel, Autor ist der Schweizer Schriftsteller Jürg Amann. Der etwas irritierende Untertitel des Buches: „Die Autobiographie Jesu Christi“ (Arche Verlag). Eine Selbstbiographie bedeutet üblicherweise, dass der Autor seine eigene Lebensgeschichte schreibt. Bei Jesus aber wissen wir, dass er keine Autobiographie geschrieben hat, sein Leben – und sein Sterben am Kreuz mit der bekannten Frage an seinen Vater – ist vor allem durch die vier Evangelisten überliefert.

Jürg Amann ist ein vielfach ausgezeichneter, ein ernst zu nehmender Schriftsteller. In diesem Fall allerdings, so meine ich, greift er etwas daneben. Nicht, weil man über Jesus kein solches Buch schreiben darf. Sondern weil man die Geschichte, die Jesus über sich – in der Ich-Form, wie es einer Autobiographie zukommt – erzählt, über weite Strecken nahezu wörtlich aus der Bibel kennt. Wie könnte es auch anders sein, gibt es doch kaum andere Zeugnisse. Wenn dem allerdings so ist, dann kann man sich auch gleich an das Original halten. Das ist schade, denn der Titel, noch mehr der Untertitel, haben doch eine Spannung aufgebaut, die das Buch nicht hält. Vielleicht auch nicht halten kann.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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