Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Klingt das Land wirklich so?

Kultur / 08.11.2013 • 20:16 Uhr

Nach einer Unterbrechung soll der Rundgang durch das neue Vorarlberger Landesmuseum fortgesetzt werden. Im vierten Stock hört man schon vor dem Betreten der Schau „Sein & Mein“ die Töne, die anzeigen, dass es sich hier nicht um eine klassische Ausstellung handelt.

„Wie klingt Vorarlberg?“ heißt diese Schau, womit angekündigt ist, dass man sich dem Land über „seine Töne“ nähern will. Das vom Innsbrucker Bruno Winkler versuchte „Hörbild mit Bildern“ (kommt der Sache vielleicht näher als der Begriff Ausstellung) ist für ein Museum vor allem eines: originell. Ob es tatsächlich eine Annäherung an das Land erlaubt, ist eine andere Frage.

Klar ist, dass man nicht ein ganzes Land akustisch einfangen kann; klar ist auch, dass man Geräusche, die überall gleich sind, hier nicht berücksichtigen muss. Nicht mehr klar aber ist, ob die gebotenen Töne – und auch das zugehörige optische Material, das für eine Hör-Ausstellung doch ziemlich umfangreich ist – einen geografischen Raum oder auch nur eine bestimmte Zeit wirklich abdecken. Ich meine, dass das nicht gelungen ist.

Denn dass man einen Menschen über Architektur („Für Vater war das Haus ein Kunstwerk, Mutter hätte gerne ein wenig mehr Dach gehabt“), einen anderen über Landwirtschaft erzählen lässt, lässt noch wenige Rückschlüsse zu. Da sind die Themen doch etwas komplexer, als dass man sie so abhandeln könnte. Ebenso ist fraglich, ob Sprüche auf Ofenkacheln („Willst rein von bösen Sitten bleiben, mußt Kleiderpracht und Weiber meiden“) typisch für ein Land sind.

Besonders viel Raum ist den beginnenden Siebzigerjahren eingeräumt. Ein riesiges Foto der Gruppe „Wanted“, Originaltöne von Gerold Amann, Gottfried Bechtold und Bernhard Amann, dazu viele originelle Plakate, vorwiegend von Grafiker Reinhold Luger, erinnern an kulturelle Aktivitäten dieser Zeit: Randspiele, Wäldertage, Kabarett Wühlmäuse, Zeitschrift „SUBr“, Transmitter, Aufrufe zu Demonstrationen. Das war alles wichtig für Vorarlberg, wichtig für den kulturellen Aufbruch dieser Zeit. Darauf folgen ein bisschen Lawinenkatastrophen, ein wenig Migration – dazu Fotos und Töne. Jedes für sich ist interessant, alles zusammen aber ergibt kein Bild von Vorarlberg, auch kein akustisches. Aber das sollte doch, wenn ich das richtig verstanden habe, erreicht werden. Wird es aber nicht.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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