Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Armut in der Welt und bei uns

Kultur / 20.12.2013 • 20:26 Uhr

Alle Jahre wieder kommt nicht nur die Weihnacht, sondern damit auch die Frage, was man denn zu solcher Zeit in der Zeitung schreiben könnte. Verschiedenste Meldungen der letzten Tage haben die Entscheidung leicht gemacht: Armut war das Thema vor zweitausend Jahren, Armut ist das Thema noch heute. Dieses Problem hat die Menschheit, genauer: weite Teile der Menschheit, in zwei Jahrtausenden nie verlassen. Auf der einen Seite die Reichen, der kleinere Teil der Menschen, auf der anderen jene, die nicht genug zu essen haben, und das noch heute, da die Welt noch nie so reich war und die Möglichkeit der Hilfe für alle noch nie so groß.

Nach Schätzungen der Weltbank müssen 1,4 Milliarden Menschen mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag auskommen – das, man glaubt es kaum, ist die von der Weltbank festgelegte Bemessungsgrundlage für extreme Armut. Nimmt man den Rahmen unbedeutend weiter, legt also die 2-Dollar-Grenze pro Tag zugrunde, spricht die Weltbank von „allgemeiner Armut“, von der auf der Welt 2,6 Milliarden Menschen betroffen sind. Wenn man also davon ausgeht, dass derzeit knapp über sieben Milliarden Menschen auf der Welt leben, dann ist das mehr als ein Drittel. Und wenn man dann wie vor wenigen Tagen hört, dass die EU bisher 1,6 Billionen Euro – eine Summe, die man sich nicht mehr vorstellen kann – zur Bankenrettung ausgegeben hat, dann fragt man sich, ob die Politik dieser Welt und dieses Kontinents noch richtig tickt. Die Antwort ist einfach: Sie tickt falsch.

Man kann das aber auch auf unseren winzigen Staat herunterrechnen. Der neueste Armutsbericht zeigt, dass in Österreich, dem zweitreichsten Land der EU, eineinhalb Millionen Menschen armutsgefährdet sind. Das sind zwanzig Prozent, also lebt jeder fünfte bei uns am Rande der Armut oder er hat diese Grenze schon überschritten. Machen wir noch den Schritt ins fast kleinste, dafür reichste Bundesland, nach Vorarlberg. Bei uns, so konnte man vor zwei Tagen lesen, ist jede sechste (weil es vor allem Frauen betrifft) armutsgefährdet.

So schaut’s aus auf dieser so schönen und auch so armen Welt. Das ist schlicht und einfach ein riesiger Skandal. All diese armen Menschen wollen wir den großen Entscheidungsträgern auf dieser Welt und in diesem Land auf den Gabentisch legen und wünschen: Frohe Weihnacht!

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.