Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ohne Vorsatz geht es nicht

Kultur / 03.01.2014 • 20:29 Uhr

Das mit den Vorsätzen ist ein Problem: Sie halten nicht. Zumindest in den meisten Fällen nicht. Warum sollten sie auch? Nur weil gerade ein Jahr zu Ende geht, ein anderes anfängt, ändert sich noch nichts. Der eine Tag ist wie der andere, das eine Jahr wie das andere. Unsere Pläne funk­tionieren unterm Jahr genau so wenig wie am Anfang oder Ende eines Jahres. Das hat schon Bertolt Brecht in seiner „Ballade von der Unzulänglichkeit des Menschen“ erkannt: „Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht. Und mach dann noch ’nen zweiten Plan. Gehn tun sie beide nicht.“ Nicht nur weil ich ein großer Verehrer von Brecht bin, neige ich dazu, seine Meinung zu teilen. Ich meine das auch aus eigener, zum Teil schmerzhafter Erfahrung.

Wie oft hatte ich mir, natürlich zum Jahreswechsel, die verschiedensten Dinge vorgenommen! Natürlich und vor allem: nicht mehr zu rauchen. Jahre, Jahrzehnte war das alljährlich ein Thema. Aber eigentlich wollte ich gar nicht aufhören. Zu gut waren die Zigaretten. Bis es irgendwann einfach genug war – ungefähr in der Mitte des Jahres und ganz ohne Vorsatz glühte die letzte Zigarette. Vielleicht aus Erkenntnis. Ähnlich erfolglos blieben andere Vorsätze: Sich ein wenig zurücknehmen, nicht immer glauben, dass man selbst am wichtigsten ist; weniger ausgehen, die Zeit sinnvoller für gute Lektüre oder allgemeine Studien zu nützen; mehr dem Alkohol entsagen, weil man unter seinem Einfluss nur glaubt, besonders intelligent zu sein; schließlich noch der grundsätzliche Vorsatz, ganz einfach ein besserer Mensch, wertvoller für die Gesellschaft zu werden. Weniges davon hat gehalten, das meiste hat sich schlicht mit dem Älter- und Ruhigerwerden eingestellt. Oder auch nur deshalb, weil der Körper die Exzesse im Laufe der Jahre immer weniger verziehen hat.

Also habe ich mir vorgenommen, die Vorsätze bleiben zu lassen. Aber wie geht das? Schließlich ist ja der Vorsatz, keinen Vorsatz mehr zu fassen, auch schon ein Vorsatz. Anders gesagt: Man entkommt dem Vorsatz zur Jahreswende nicht. Nicht dem guten, nicht dem schlechten, und auch nicht damit, sich nichts mehr vorzunehmen. Aber immerhin: Wenn ich den Vorsatz, keinen Vorsatz mehr zu fassen, breche, dann könnte sich möglicherweise ein guter Vorsatz einstellen. Ein wirklich guter.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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