Mit ,mehramsee‘ ein Mehr am See?
Unter einer Diskussion versteht man laut Großem Brockhaus eine „Auseinandersetzung über ein Thema“. Das heißt, dass es mehre Meinungen geben muss. So gesehen war die Veranstaltung, die am vergangenen Sonntag im vollbesetzten Theater am Kornmarkt über die Bühne ging, eine Informationsveranstaltung, aber keine Diskussion. Denn die Teilnehmer auf der Bühne waren im wesentlichen einer Meinung, kritische Stimmen fehlten.
Was „mehramsee“ will, dürfte – dank erstaunlicher medialer Unterstützung der Initiative – bekannt sein. Es geht um die Vision, die Eisenbahn in Bregenz in einem Tunnel unter der Stadt zu führen. „mehramsee“ wurde im vergangenen Sommer gegründet und ist eine Genossenschaft, die sich dieses Anliegens annimmt, heftig annimmt. Geht man auf die Internetseite von „mehramsee“, so kann man dort (Stand: 18.3.2014) lesen, dass es insgesamt 226 Mitglieder gibt. Bedenkt man, dass da immer wieder gesagt wird, dass „mehramsee“ „hohe Wellen schlägt“ oder „weite Kreise zieht“, dass es die „vitalen Interessen der Menschen“ treffe, so wundert der bescheidene Mitgliederstand fast ein Jahr nach der Gründung, zumal ja ein Genossenschaftsanteil gerade einmal 20 Euro kostet.
Zurück zur Veranstaltung, bei der auch ein Film von Frank Mätzler gezeigt wurde, der die Ideen von „mehramsee“ optisch umsetzte. Immer wieder zeichnen die Vertreter der Vereinigung Horrorszenarien, wie sich die Eisenbahn entwickeln werde. 450 Meter lange Güterzüge würden Bregenz in Zukunft heimsuchen, die Anzahl der Züge würde sich vervielfachen. Warum bei solchen Behauptungen kein Vertreter der ÖBB am Diskussionstisch saß, bleibt ein Geheimnis. Denn die ÖBB sehen die Entwicklung völlig anderes. Auch anderes blieb ungeklärt: Wenn eine Untertunnelung kommen würde, was wäre dann mit dem frei werdenden Platz? Anzunehmen, dass da – wie in Bildern suggeriert – eine Parklandschaft entstehen würde, scheint doch etwas naiv. Das wäre teuerster Grund in Bregenz, den die ständig an Finanznöten leidenden ÖBB nicht einfach den Bregenzern überlassen, sondern ganz sicher zum Höchstpreis verscherbeln würde. Nicht zuletzt: Was ist mit der Straße, die ja ein noch größeres Problem darstellt? Denn Autos sind nicht nur laut, sondern stinken auch noch. Bleibt also die Frage: Bringt „mehramsee“ tatsächlich ein Mehr am See?
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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