Am See ein Triumph, im Budget ein Problem

Kultur / 31.03.2026 • 13:42 Uhr
Am See ein Triumph, im Budget ein Problem
“Wir haben keine Absatzkrise, aber wir befinden uns in einer Kostenkrise, und die ist schwierig zu bewältigen.” APA/TOBIAS STEINMAURER

„La traviata“ fast ausverkauft, doch Subventionskürzungen und Kostenanstieg setzen Bregenzer Festspiele unter Druck.

Bregenz Die Bregenzer Festspiele rechnen damit, dass die im Jahr 2025 beschlossene Kürzung der öffentlichen Subventionen mit Ende 2026 wieder ausläuft. Für den kaufmännischen Direktor Michael Diem ist genau das von zentraler Bedeutung, denn trotz des großen Publikumserfolgs der Seebühnenproduktion „La traviata“ steht das Festival finanziell unter erheblichem Druck. Während „La traviata“ bereits nach Ostern und damit so früh wie noch nie ausverkauft sein werde, seien die Ausgaben in vielen Bereichen massiv gestiegen. Allein die Personalkosten hätten sich innerhalb von zehn Jahren durch Valorisierungen um 36 Prozent erhöht.

Kaufmännische Fundament

Die Förderungen von Bund, Land und Stadt, die bisher insgesamt sieben Millionen Euro ausmachten, wurden wie berichtet für die Jahre 2025 und 2026 um 30 Prozent beziehungsweise um 2,1 Millionen Euro pro Jahr gekürzt. Da die Subventionen schon seit 2016 nicht erhöht worden waren, hat sich über die Jahre zusätzlich ein erheblicher Kaufkraftverlust aufgebaut. Laut Diem fehlen den Festspielen dadurch inzwischen jährlich insgesamt 4,6 Millionen Euro im Budget. Im Gespräch mit der Apa macht er deutlich, dass diese Entwicklung die wirtschaftliche Stabilität des Festivals ernsthaft gefährdet. Sollte es ab 2027 keine Rückkehr zumindest auf das frühere Förderniveau geben, gerate das kaufmännische Fundament des Hauses ins Wanken.

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Die Arbeiten für das neue Bühnenbild laufen auf Hochtouren.Beate Rhomberg

Diem geht allerdings davon aus, dass die Kürzungen tatsächlich auf die beiden Jahre 2025 und 2026 beschränkt bleiben und ab 2027 wieder sieben Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung stehen. Die finanzielle Lage bleibt dennoch angespannt. Wie schon 2024 werde man auch 2025 wieder einen Verlust schreiben. Die genaue Höhe lasse sich noch nicht beziffern. Besonders problematisch sei, dass die Rücklagen der Festspiele bereits deutlich geschrumpft seien. Eigentlich müssten diese Mittel ungefähr die Höhe eines Jahresbudgets erreichen, also rund 31 Millionen Euro, um mögliche Ertragsausfälle auffangen zu können. Schon vor der Kürzung sei dieses Ziel nicht ganz erreicht worden, inzwischen lägen die Reserven aber etwa ein Drittel darunter. Der Eigendeckungsgrad habe 2025 zwar 82 Prozent betragen, doch nur, weil Rücklagen eingesetzt werden mussten.

Lieber weniger, dafür exzellent

Hinzu kommen weitere Kostensteigerungen. Nach dem Ausbau des Festspielhauses seien die Betriebskosten für das größere Haus um rund 30 Prozent gestiegen. Auch der Bühnenbildbau sei teurer geworden. Normalerweise koste dieser sieben bis acht Millionen Euro, heuer sind es mehr. Diese Sparzwänge wirken sich bereits auf das Programm aus. 2027 wird es bei den Bregenzer Festspielen kein Schauspiel geben. Zwar gibt es 2026 noch eine Sonderfinanzierung für ein Burgtheater-Gastspiel, doch die für 2027 geplante Zusammenarbeit wurde auf 2028 verschoben. Da zugleich auch die Kooperation mit Theaterallianz und Theater Kosmos 2026 endet, ist offen, ob es nach 2028 überhaupt noch eine Schauspielschiene geben wird. Gleichzeitig reagieren die Festspiele intern mit Sparmaßnahmen und Reorganisation. Abgänge beim ganzjährig beschäftigten Personal sollen nicht nachbesetzt werden, auch beim saisonalen Zusatzpersonal im Sommer wird eingespart. Insgesamt sollen die Kosten um zehn Prozent sinken. Zugleich betont Diem, dass die Qualität nicht leiden solle: “Lieber weniger, das dafür exzellent.” Auf der Einnahmenseite gibt es nur begrenzte Möglichkeiten. Die Ticketpreise sollen ab 2027 moderat um drei bis fünf Prozent steigen. Auch eine Ausweitung der Zahl der „La traviata“-Vorstellungen wird geprüft, ist aber wegen der knappen Zeitbudgets der Mitwirkenden schwierig.