Spaziergänge durch Bregenz
Vor Kurzem sagte ein Herr zu mir: „Loben, Herr Fink, sie dürfen nicht nur kritisieren, sie müssen auch loben!“ Nun denn, so lobe ich. Aber nicht, weil’s mir aufgetragen wurde, sondern weil es zu loben gilt. Ich möchte Rita Bertolini, engagierte Verlegerin und Ausstellungsmacherin, und Thomas Klagian, den Leiter des Bregenzer Stadtarchivs, ausdrücklich loben. Bereits den vierten Sommer erfreuen sie uns nun mit einer stadtgeschichtlichen Ausstellung im Martinsturm in der Oberstadt, den sie damit in das Licht gerückt haben, in das er gehört: Ins Zentrum der Stadtgeschichte. Ich möchte loben die Bregenzer Raiffeisenbank, die die zugehörigen Publikationen ebenso wie die Ausstellungen seit Beginn begleitet, in ihrer Filiale am Kornmarkt auch einen Teil der Ausstellung zeigt. Ich möchte nicht zuletzt Bürgermeister Markus Linhart loben, der bei der Eröffnung der Ausstellung erklärt hat, dass im nächsten Jahr im Martinsturm das auch an dieser Stelle schon lange geforderte stadtgeschichtliche Museum eröffnet werden soll. Damit ist auch die künftige Nutzung des Bregenzer Wahrzeichens endlich – und erfreulich – geklärt.
Übrigens: Die zu Rede stehende Ausstellung heißt „Die goldene Schale – Spazieren in Bregenz“. Mit der goldenen Schale ist ein Ausspruch des hl. Kolumban angesprochen, der die Lage von Bregenz am See so bezeichnet hat. Allerdings hat der Heilige gleich anschließend hinzugefügt, diese Schale sei voll von giftigen Schlangen, womit er die Bregenzer meinte. Das ist etwa eineinhalb Jahrtausende her, weshalb man annehmen darf, dass sich die Bregenzer inzwischen gebessert haben. Die Ausstellung führt auf zwei Wegen durch die Stadt, deshalb „Spazieren in Bregenz“, das eigentlich richtiger „Flanieren in Bregenz“ genannt worden wäre.
Im Buch sind 46 historische Punkte angeführt, die man am Weg durch die Stadt passiert, an denen man verweilen und lesen kann. Ein Weg führt von St. Gallus durch die Stadt zum See, der andere vom Kloster Mehrerau am See entlang bis zur Badeanstalt Mili. Allerdings muss man bei beiden Wegen schon auch Umwege in Kauf nehmen, wenn man alles sehen will. Aber das macht nichts – man soll sich sowohl für den Weg als auch für die Ausstellung und nicht zuletzt für das Buch ausreichend Zeit nehmen. Es lohnt sich in jedem Fall. So, und damit ist nun – siehe Anfang – genug gelobt.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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