Ein Blauer wie andere auch
Am Tag nach der Europawahl war die Bilanz für die Sozialdemokraten einigermaßen ernüchternd. Der Promistatus des Spitzenkandidaten Eugen Freund hatte sich nicht im erhofften Wahlerfolg niedergeschlagen. Die SPÖ blieb weiter Zweite hinter der ÖVP. Also: Wahlziel weit verfehlt. Nach solcher Erfahrung war es besonders interessant, dass einen Tag später die Freiheitlichen in Vorarlberg mit der Ankündigung aufhorchen ließen, dass der bisherige Moderator von V-Heute, Christoph Waibel, bei der Landtagswahl im kommenden September für die FPÖ kandidieren werde. Wenige Tage vorher hatte Waibel seine Arbeit im Fernsehen beendet. Waibel werde, so Parteiobmann Dieter Egger, mit einem sicheren Listenplatz auf der Landesliste belohnt werden, also sicher dem nächsten Landtag angehören. Waibel, „der allseits beliebte Moderator“, habe nämlich, so meinte Egger, große Bürgernähe, „großes Fachwissen“ und „breites politisches Wissen“.
Woher diese Sicherheit bei Egger kommt, ist mir nicht klar. Denn die Tatsache, dass jemand eine in der Hauptsache nicht unbedingt politische Sendung moderiert, scheint mir noch wenig Beleg für das breite politische Wissen. Popularität ja, die ist vorhanden. Denn die Moderatoren von V-Heute sind – wie jene der ZiB – in jeder Stube des Landes präsent. Aber das alleine, so zeigt die Vergangenheit, genügt nicht.
Waibel selbst hat in seinem ersten Interview gezeigt, dass er die politische Diskussion der letzten Jahre nicht wirklich mit verfolgt hat. Denn wenn heute ein (künftiger) Politiker davon spricht, dass wir „kein Ausländerproblem“ haben, ist er entweder höchst naiv oder unwissend. Beides ist ein Problem. Denn dann kennt er nicht einmal die Aussagen jener Politiker, für deren Partei er in Zukunft kandidieren will. Eines ist klar: Wenn signalisiert wird, dass es zwischen Christoph Waibel und der FPÖ „hundertprozentige politische Übereinstimmung“ gibt, dann steht Waibel auch für alle ausländerfeindlichen Parolen der Freiheitlichen in Bund und Land, dann steht er für alle sprachlichen Entgleisungen, die Bundesobmann Heinz Christian Strache und auch Landesobmann Dieter Egger ins politisch rechte Eck gerückt haben. Dann aber ist Waibel auch nicht der „politische Farbtupfer“, für den er sich hält. Dann ist er ganz einfach ein Blauer wie die anderen auch.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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