Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Lassen wir uns das gefallen?

Kultur / 06.06.2014 • 21:35 Uhr

Gestern wurde eine Statistik veröffentlicht, die eigentlich die Menschen auf die Barrikaden treiben müsste. Es war zwar nicht der erste Vorfall in jüngerer Zeit, der die Menschen zu Revolutionären machen müsste, aber es war ein besonders dramatischer. Da wurde nämlich bewiesen, dass junge Menschen heute um mehr als 13 Prozent weniger verdienen als noch vor zehn Jahren. Bei der älteren Generation ist es zwar nicht ganz so schlimm, aber auch sie hat heute um etwa drei Prozent weniger im Säckel als vor zehn Jahren. Die Gründe dafür sind so vielfach wie einfach: Die zwar niedere Inflation frisst die noch niedrigeren Lohnerhöhungen und Pensionserhöhungen auf, die kalte Progression macht Vorrückungen nicht nur zunichte, sondern kehrt sie ins Gegenteil um. Kein Wunder also, dass inzwischen der ganze Staat nach einer sofortigen Steuerentlastung schreit.

Der ganze Staat? Nein, natürlich nicht der ganze. Der schwarze Vizekanzler Michael Spindelegger kann das ganze Getue nicht verstehen. Er sagt, dass man doch in der Koalitionsvereinbarung mit den Roten ausgemacht habe, dass man eine Entlastung erst „verdienen“ müsse. Die aber hätten wir uns noch nicht verdient, frühestens 2016 könnte das so weit sein. Wobei wir gelernten Österreicher natürlich wissen, dass in der Zwischenzeit wieder so manches passieren wird, das eine Entlastung unmöglich machen wird. Und bis dahin steckt der Herr Finanzminister die ganze kalte Progression in seinen Staatssäckel und wir schauen durch die Röhre.

Ja ticken „die da oben“ eigentlich noch richtig? Sehen die nicht, dass wir, die arbeitenden Menschen dieses Staates, längst aus dem letzten Loch pfeifen? Begreifen sie nicht, dass wir uns keine Sparstrümpfe mehr füllen können, weil das Einkommen kaum mehr für den täglichen Bedarf reicht? Merken sie nicht, dass unsere kleinen Ersparnisse auf der Bank alljährlich weniger statt mehr werden? Und dann haben sie „zu wenig Spielraum“?

Aber wir müssen auch uns selber fragen: Wie lange wollen wir uns das eigentlich noch anschauen? Wie lange warten wir noch auf Taten von unfähigen Volksvertretern in Wien, die uns nur noch immer tiefer ins Schlamassel reiten? Wann beginnen wir aufzustehen, wann beginnen wir uns zu wehren, wann holen wir die Damen und Herren vom hohen Ross? Wann dann, wenn nicht jetzt?

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.