Standort Vorarlberg: Es geht nach oben – aber noch sehr langsam

Markt / 25.06.2026 • 13:01 Uhr
Standort Vorarlberg: Es geht nach oben – aber noch sehr langsam
Exportland Vorarlberg: Die Bankökonomen rechnen mit einem moderaten realen Wachstum der Ausfuhren aus dem Land von rund 0,6 Prozent nach 0,5 Prozent im Vorjahr. AFP

Die Wirtschaftslage in Österreich gibt 2026 bislang wenig Anlass zum Optimismus. Doch die Ökonomen der Bank Austria sehen immerhin für Vorarlbergs exportgetriebene Wirtschaft ein ganz kleines Plus.

Schwarzach, Wien Zu Jahresbeginn waren die österreichischen Wirtschaftsforscher optimistisch. Sie rechneten mit Aufschwung, wenn auch nicht gerade einem steilen Anstieg. In Vorarlberg werde ein moderates reales Wachstum von rund 0,6 Prozent erwartet, nach 0,5 Prozent im Vorjahr, sagt im Gespräch mit den VN Dieter Hengl, Vorstand Firmenkunden bei der Unicredit Bank Austria. “Vorarlberg dürfte heuer mit 13,3 Milliarden Euro an Exporten ins Ziel kommen, das ist leicht über dem Ergebnis des Vorjahres”, so der Banker mit Hinweis auf den Konjunkturindikator der Bank Austria, der vor allem den Kunden einen strategischen Fahrplan erlauben sollte. Neun von zehn großen Unternehmen sind bereits Kunden, seit vergangenem Jahr wird ein Schwerpunkt auf die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gelegt. “2025 konnten bei der Offensive rund 1000 neue Kunden gewonnen werden, und und konnten heuer schon 500 neue KMU begrüßen.”, so Hengl.

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Bank Austria-Landesdirektor Claus Jeschko und Firmenkunden-Vorstand Dieter Hengl im Gespräch in der VN-Redaktion.VN/Rhomberg

“Die KMU sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft” – als Bank Austria könne man dieser Kundengruppe die Möglichkeiten eines internationalen Banknetzwerkes zur Verfügung stellen, begründet Hengl den Schwerpunkt. Denn auch KMU seien auf der Suche nach neuen Märkten und Investitionsmöglichkeiten. “Wir können die Kunden absichern. Wenn das Umfeld volatil sei, dann sei das essenziell, dass wir Risiken und Exporte absichern”, das gelte gerade für kleine Unternehmen, die eine Geschäftsverbindung mit der Unicredit Bank Austria neben ihren regionalen Bankverbindungen aufnehmen. Außerdem betreibe man eine Plattform, in der die Firmen neue Partner finden – für Geschäfte, aber auch für Verkauf und Kauf von Unternehmen. “Dort sind derzeit mehr als 6000 Unternehmen aus ganz Europa zu finden”, erklärt Hengl.

“Wettbewerbsfähigkeit”

Doch allein die Bankservices sind es nicht, die die österreichische Wirtschaft wieder nach vorne bringen, stellt Hengl klar: “Wir müssen in Europa die Wettbewerbsfähigkeit wieder zurückgewinnen.” Aber auch in Österreich gebe es eine ganze Reihe von Aufgaben, von denen die dringendsten gelöst werden müssen: “Die Lohnstückkosten müssen wir aus eigener Kraft wieder in einen konkurrenzfähigen Zustand bringen”, erklärt Hengl und verweist auf eines der Hauptprobleme für den Standort Österreich, das lange Jahre ein Vorteil war: die Energiekosten. Doch summa summarum müsse auch klar sein, dass Österreich nie ein Low-Cost-Land sein werde.

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Man müsse deshalb noch innovativer sein, Qualität erzeugen und auf neue Märkte zugehen. Nach wie vor stehen die USA trotz aller Unsicherheiten bei den Exporteuren ganz oben auf der Agenda. Dass Indien nach Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens in den Fokus rücke, sei eine große Chance, die auch von Vorarlberger Firmen genutzt werde, verweist Hengl auf neue Niederlassungen, Exporte und einen Markt mit hunderten Millionen Menschen. Außerdem sei Indien eine Alternative zum Produktionsstandort China.

“Stabil aufgestellt”

“Die Vorarlberger Unternehmen sind trotz schwieriger Jahre sehr stabil aufgestellt”, attestiert Landesdirektor Claus Jeschko im VN-Gespräch. Der Dienstleistungssektor wirke weiterhin stabilisierend. Das insgesamt schwache Wachstum reiche jedoch laut den Bank-Ökonomen heuer noch nicht aus, um eine Entspannung am Arbeitsmarkt herbeizuführen. “Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt auf etwa 6,2 Prozent ansteigen.” “Für die Vorarlberger Bauwirtschaft erwarten wir eine Erholung im Wohnungsbau sowie nach mehreren Jahren der Rezession wieder einen Anstieg der realen Wertschöpfung”, so Jeschko. Und der Tourismus steige auch leicht, leide aber weiterhin unter hohen Energie- und Personalkosten.