Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Facettenreiches Bild von Felder

Kultur / 27.06.2014 • 18:10 Uhr

Der erste Eindruck ist: großartig, vielseitig, mehr als nur eine Annäherung. Die gestern eröffnete Ausstellung „Ich, Felder. Dichter und Rebell“ im Landesmuseum scheint dem bedeutenden Schriftsteller aus dem Bregenzerwald, der wahrscheinlich auffallendsten Persönlichkeit Vorarlbergs im 19. Jahrhundert, gerecht zu werden. Es ist ein facettenreiches Bild, das von den Gestaltern der Ausstellung – für das Museum Theresia Anwander, für das fachlich zuständige Felder-Archiv Ulrike Längle und Jürgen Thaler – in ein ganzes Stockwerk des Museums gestellt wird. Wenn man weiß, wie schwierig es ist, eine Ausstellung für einen Dichter zu machen, dann kommt man um spontanes Lob nicht umhin.

Spontan deshalb, weil die umfangreiche Ausstellung nach einem ersten Besuch nicht abschließend bewertet werden kann. Will man es genau wissen, dann wird man sich wohl mehrmals und auch jeweils mehrere Stunden in der spannend inszenierten Schau aufhalten müssen, man wird sich viel Zeit nehmen müssen, um die Texte und auch die Erläuterungen zu lesen, noch besser: zu studieren. Also wird diese Ausstellung wohl noch mehrmals Gegenstand von Betrachtungen sein müssen, betrachtet aus verschiedenen Blickwinkeln, aus jenem des Dichters, aus jenem des politischen Streiters und aus jenem des sozialen Kämpfers. Denn all das war Franz Michael Felder. Im Untertitel der Ausstellung, „Dichter und Rebell“, wird das auch angedeutet. Das Sujet des Plakats, eine in Rot gehaltene Hand hält eine Schreibfeder, gibt einen Hinweis auf diese Einschätzung, wenn man auch den ursprünglichen, deutlich kämpferischeren Entwurf damit gemildert hat. Ganz so rebellisch wollten die Verantwortlichen den Rebell Felder denn doch nicht sehen.

Auch für den Katalog gilt: Nach kurzer Durchsicht kann man noch kein endgültiges Urteil abgeben. Die mehr als dreihundert Seiten kann man in kurzer Zeit durchblättern, querlesen, auf bestimmte Inhalte prüfen – aber nicht bewerten. In den dreißig kurzen Annäherungen über verschiedene Themen findet man aber doch fast alle Namen, die man im Zusammenhang mit Felder seit Jahren kennt, darunter natürlich auch mehrmals die Herausgeber des Katalogs, Ulrike Längle und Jürgen Thaler. In jedem Fall also, so darf man annehmen, gibt es da Interessantes zu lesen. Felder wird heuer mein Sommerprogramm.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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