Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wenn Zwerge Schatten werfen

Kultur / 29.08.2014 • 19:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zwerge, besonders Gartenzwerge, haben selten einmal so viel Aufmerksamkeit erregt wie in diesen Tagen. Das hängt damit zusammen, dass den Vorarlberger Sozialdemokraten über Nacht 400 Gartenzwerge abhanden gekommen sind. Nicht verloren wurden sie, nein, gestohlen hat sie irgendein Unhold. Und natürlich, so meinen die Genossen, sitzen die Übeltäter in der Parteizentrale der Schwarzen. Aber die, die Schwarzen, wollen natürlich von einer solchen Untat nichts wissen, weit weisen sie den Verdacht von sich, lenken ihn vielmehr wieder auf die Roten zurück, die sich ihre Zwerge, die sie „Coolmen“ nennen, wohl selbst gestohlen hätten. Denn damit könnten sie die bisher nicht vorhandene Aufmerksamkeit auf die „Zierde der Gärten“ lenken. Aufmerksamkeit haben diese Zwerge tatsächlich erregt, weltweit geradezu. Und so ist auch unser Land wieder einmal groß ins Gerede gekommen, wenn auch über Zwerge. Wie schon Reinhold Bilgeri und Michael Köhlmeier in ihrem Lied über Vorarlberg besungen haben: „… bist zwar als Land ein Zwerg.“ Jetzt haben wir es endgültig bestätigt. „Zwergenraub im Zwergenland“ kann man lesen, und damit wissen wir, wie man uns im Ausland (und, wie ich fürchte, nicht nur dort) sieht.

In einem bekannten Spruch, der Karl Kraus zugeschrieben wird, heißt es: „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.“ Derzeit ist der Schatten der Zwerge besonders lang. Ob sich die Sozialdemokraten um Michael Ritsch diese Art der Popularität wirklich gewünscht haben, darf man bezweifeln. Ob sie im Wahlkampf und vor allem dann bei der Wahlentscheidung Vorteile schafft, ist auch nicht sicher. Denn es gibt doch ziemlich viele im Land, die der Hinweis auf das „Zwergenland“ ziemlich nervt. Im Moment sind die Gartenzwerge mit den sozialdemokratischen Leitsprüchen auf den Täfelchen jedenfalls die bekanntesten Vorarlberger. Das erzählen Menschen, die viel im Ausland unterwegs sind und offenbar überall auf den Zwergendiebstahl angesprochen werden. Das Problem ist: Selbst wenn nach den Wahlen die Zwerge ihren Zweck erfüllt (oder auch nicht erfüllt) haben werden – die Zwerge werden uns, egal, wohin wir kommen, noch lange nachhängen. Wir sind nun nicht mehr nur das „Ländle“, sondern auch das „Zwergenland“, das hinter den sieben Bergen halt. Dafür danken wir der SPÖ!

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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