Felder, Lassalle und die Arbeiter
Im vorarlberg museum in Bregenz läuft derzeit die großartige Ausstellung „Ich, Felder – Dichter und Rebell“, die bis 16. November geöffnet ist und unbedingt einen Besuch lohnt. Bis dahin gibt es auch noch ein umfangreiches Begleitprogramm. Deshalb ist es nicht ganz verständlich, dass ein für das Verständnis von Felder nicht unwichtiges Datum in den Rahmenveranstaltungen unberücksichtigt blieb: Am 31. August 1864, also vor 150 Jahren, ist nämlich der deutsche Arbeiterführer Ferdinand Lassalle verstorben, der mit seinen Ideen maßgeblichen Einfluss auf Felders politische Gedanken und auch auf seine politische Praxis hatte.
Die Umstände von Lassalles Tod waren – im Gegensatz zu seinem Leben – eher banal, er kam nämlich nach einem Duell, noch nicht einmal vierzig Jahre alt, um. So schrieb Wilhelm Liebknecht, Ahnherr der Sozialdemokratie, an Karl Marx: „Lassalle ist im Duell geblieben. Natürlich ein Frauenzimmer im Spiel. Am Montagabend wurde er in den Unterleib geschossen, am Mittwoch starb er. Schade um ihn!“ Lassalle konnte die Massen begeistern, er hielt im April 1962 eine Rede vor Berliner Arbeitern, die hinterher als „Arbeiterprogramm“ veröffentlicht wurde. Dem Bürgertum, so meinte Lassalle, fehle „der revolutionäre Elan“, die künftige Kraft sei demnach die Arbeiterklasse. Lassalle: „Der Arbeiterstand muss sich als selbstständige politische Partei konstituieren und das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zu dem prinzipiellen Losungswort und Banner dieser Partei machen.“
Genau dieses Wahlrecht forderten auch Franz Michael Felder und sein Schwager Kaspar Moosbrugger in ihren politischen Schriften und auch mit der 1866 erfolgten Gründung ihrer „Vorarlbergischen Partei der Gleichberechtigung“. Auch in die literarischen Arbeiten Felders, etwa in die Romane „Reich und Arm“ oder „Sonderlinge“, ganz besonders aber in die „Gespräche des Lehrers Magerhuber mit seinem Vetter Michl“ (Kurt Greussing hat das in der „Kultur“ genauer festgehalten) fließen immer wieder Gedanken Lassalles ein. Es ist die Rede von der Notwendigkeit von Genossenschaften der Produzenten, also Bauern und Arbeiter, oder davon, dass der Arbeiter „den ganzen Ertrag seiner Arbeit erhalten“ müsse. Alles Hinweise auch auf Lassalle, weshalb es angebracht gewesen wäre, das in einer eigenen Veranstaltung genauer zu untersuchen.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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