Wer wäscht ihnen den Kopf?
Am Tag vor dem Heiligen Abend kam es zu einer kuriosen Sitzung in Rom. Papst Franziskus hatte in alter Tradition die römische Kurie, das starke, beharrende, gegen alle Reformen resistente höchste Gremium der katholischen Kirche, geladen. Der Papst sprach gegenüber dem gesamten Kirchenpersonal, vor allem aber gegenüber den Kardinälen der Kurie, von „spirituellem Alzheimer“ oder vom „Terrorismus des Geschwätzes“. Harsche Worte, die zeigen, wie unzufrieden der Papst ist mit dem, was seine Mitarbeiter an Reformeifer an den Tag legen. Doch die Kurie ist beharrlich, es ist nicht sicher, dass solch harsche Kritik bei den kirchlichen Würdenträgern auf fruchtbaren Boden fällt.
Wir sollten – als Neujahrswunsch – Papst Franziskus einladen, einmal nach Wien zu kommen. Dort könnte er unserer Regierung den Kopf waschen und sie darauf aufmerksam machen, was denn eigentlich ihre Aufgabe wäre. Denn Verschwendung und Großmannssucht, wie wir sie aus dem Vatikan und auch bei manchen Bischöfen – siehe Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vom Bistum Limburg – kennen, gibt es auch in unserer Republik. Die ganzen nahezu kriminellen Entwicklungen um die Hypo-Alpe-Adria kommen langsam ans Licht, immer deutlicher kristallisieren sich auch die Verantwortlichen heraus, die vor allem dem politischen Kader angehören. Angefangen mit dem Sündenfall der Freiheitlichen Jörg Haiders in Kärnten, fortgesetzt mit den diversen ahnungslosen Finanzministern der ÖVP und den ruhig zuschauenden Sozialdemokraten haben sie alle Volksvermögen in unvorstellbarem Ausmaß verbrannt. Einmal abgesehen davon, dass sie auch außerhalb der Finanzpolitik nicht gerade den Stein der Weisen gefunden haben, man denke an die Bildungspolitik, an die Sozial-, Entwicklungshilfe- und Asylpolitik, man denke an das Kasperletheater um das Bundesheer. Wo man hinsieht: Baustellen, die nicht aufgeräumt werden, die aber unendlich viel Geld kosten. Geld, das nicht die Politik aufbringt, sondern Geld, das wir bezahlen müssen.
Wie gesagt, wir bitten Papst Franziskus, nach Wien zu kommen. Wir könnten ihm Stichworte geben für seine Predigt an unsere Bundesregierung. Franziskus ist doch jetzt so schön in Fahrt, geübt durch seine Kopfwäsche der Kurie. Dort wird’s wenig helfen, vermutlich bei uns auch nicht viel. Aber wenigstens für uns wäre es eine große Freude.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
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