Ein neues Haus für die Kultur
Lange haben die Feldkircher auf diesen Tag gewartet: Gestern wurde das neue Montforthaus eröffnet, das der Stadt, in der immerhin auch das Landeskonservatorium beheimatet ist, endlich eine adäquate Spielstätte bringen wird, nicht nur für die Musik, sondern auch für die darstellende Kunst und verschiedenste Anlässe. Es war kein Luxus mehr, denn das alte Montforthaus war längst kein Platz mehr, an dem eine Stadt Staat machen konnte. Die Architektur des Hauses war alles andere als angemessen, die städtebauliche Eingliederung war daneben, und damit erfüllte das Haus nicht jene Erwartungen, die man in Feldkirch gehegt hatte. Vor allem auch deshalb nicht, weil man sich noch gerne der hervorragenden, abgebrannten Stadthalle erinnerte.
Der Vorgängerbau, die frühere Volkshalle, später Stadthalle, wurde nach einer längeren Vorgeschichte 1926 errichtet, Bauträger war ein Verein, der die Bevölkerung erfolgreich zum Kauf von Anteilscheinen ermunterte. Architekt war der große Louis Welzenbacher, der ein für die Stadt prägendes Gebäude errichtete. Besonders markant waren die Arkadenbögen und vor allem die zwei Kegeltürme mit einer Höhe von 20 und einem Durchmesser von elf Metern, die mit den übrigen Türmen der Stadt in Dialog traten. Während eines Konzerts der Feldkircher Liedertafel am 6. Juli 1973 brannte diese Stadthalle bis auf die Grundmauern nieder, gut zwei Jahre später, am 19. September 1975, wurde die neue Stadthalle, seit 1991 Montforthaus genannt, eröffnet. Dreißig Jahre später wurde der Beschluss für einen Neubau gefasst, im September 2008 wurde das Siegerprojekt der Architekten Mitiska-Wäger (Bludenz) und Hascher-Jehle (Berlin) für den Neubau, also das gestern eröffnete Montforthaus, gekürt.
Vielleicht kann man das Montforthaus noch nicht endgültig beurteilen, vor allem noch nicht in seinem Innenleben. Das wird später noch zu tun sein. Sicher aber ist, dass ein ästhetischer und vor allem städtebaulicher Fortschritt gegenüber dem Vorgängerbau festzustellen ist. Das neue Haus ist kein städtischer Sperrgürtel mehr, es ermöglicht im Gegenteil völlig neue Blickwinkel, Durchsichten und Annäherungen. Das gilt vor allem für den Eingangsbereich, für den Leonhardsplatz und auch für den Übergang zur Altstadt. Das ist in jedem Fall erfreulich und tut der Stadt ganz sicher gut.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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