Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Die ,,Kaiserin’’ ist gar keine

Kultur / 20.03.2015 • 18:17 Uhr

Manchmal liest man Rechnungen, bei denen sich auch einem bekennenden Mathematik-Verweigerer die Haare aufstellen. So geschehen, als vor einigen Tagen die Vorzugsstimmen bei den Gemeinderatswahlen veröffentlicht wurden. Da wurden mehr als nur Äpfel mit Birnen vermischt, da wurden Vergleiche gezogen, die geradezu hanebüchen sind. Damit sind auch die Schlussfolgerungen, die hier gezogen wurden, unsinnig.

Das Grundproblem ist: Die Vorzugsstimmen wurden absolut gerechnet, damit also die Dornbirner Bürgermeisterin Andrea Kaufmann zur „Vorzugsstimmen-Kaiserin“ erklärt. Das ist natürlich lächerlich, denn die absolute Zahl der Stimmen ist unwichtig, entscheidend ist vielmehr, wie viele Vorzugsstimmen im Vergleich zu den abgegebenen Stimmen erzielt wurden. Dass die Bürgermeisterin der größten Stadt Vorarlbergs absolut mehr Vorzugsstimmen bekommt als etwa der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde – das liegt auf der Hand.

Versuchen wir also einen Vergleich auf Basis abgegebene Stimmen zu Vorzugsstimmen. Und da ergibt sich naturgemäß eine ganz andere Reihung. „Vorzugsstimmenkaiser“ ist unter dieser Berechnung der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer, er erzielt bei 9491 abgegebenen Stimmen 5177 Vorzugsstimmen, das sind 54 Prozent. Das ist der höchste Wert aller Bürgermeister in den großen Gemeinden. Bleiben wir nun in den Städten, dann stellt man fest, dass Dieter Egger in Hohenems mit 47 Prozent den zweithöchsten Wert erzielt, sein Konkurrent für die Stichwahl, Bürgermeister Richard Amann, nur noch 27 Prozent. Da werden all jene, die Egger als Bürgermeister verhindern wollen, noch viel zu tun haben. Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart schafft trotz Millimetersieg in der Direktwahl eine gute Prozentzahl bei den Vorzugsstimmen: 43 Prozent. In Feldkirch spiegelt sich der hohe Verlust von Wilfried Berchtold bei der Direktwahl auch bei den Vorzugsstimmen, nur noch 39 Prozent erreicht er mit 5011 Vorzugsstimmen bei abgegebenen 12.584 Stimmen. Und selbst der Bludenzer Bürgermeister Mandy Katzenmayer, der in die Stichwahl muss, ist mit 32 Prozent Vorzugsstimmen nicht das Schlusslicht. Denn das bildet die Dornbirner Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Sie erreicht bei abgegebenen 19.594 Stimmen 5996 Vorzugsstimmen, was gerade einmal 30,6 Prozent entspricht. Quod erat demonstrandum – was zu beweisen war!

Versuchen wir also einen Vergleich auf Basis abgegebene Stimmen zu Vorzugsstimmen. Und da ergibt sich naturgemäß eine ganz andere Reihung.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.