Kulturdebatte zu später Nacht
Die Dämmerung zog am Mittwoch herauf, als der Landtag noch immer über das am Mittag als erstes begonnene Kapitel „Soziales und Gesundheit“ Streitgespräche führte. Das war insofern von Bedeutung, als angekündigt war, dass alle acht Kapitel der Spezialdebatte zum Rechenschaftsbericht an diesen Tag abgehandelt werden müssen.
Anders gesagt: Für das erste diskutierte Kapitel hatte der Landtag sieben Stunden gebraucht – und sieben weitere Kapitel sollten folgen. Dass erst ganz am Ende die Kultur auf der Tagesordnung stand, ließ nichts Gutes ahnen. Trotz erstaunlichen Fortschritts in den folgenden Kapiteln wurde es nachtschlafende Zeit, genau 0.13 Uhr, als die Kultur aufgerufen wurde. Wen wundert’s also, dass da nicht mehr die große Debattierlust ausgebrochen ist.
Die Fakten waren zudem schon bekannt, nachdem zwei Tage vorher in einer Pressekonferenz der Kulturbericht zum Jahr 2014 vorgelegt worden war.
Neu gestaltet und ausführlicher als bisher, auch übersichtlicher und mit mehr erläuternden Texten versehen. Diesem Bericht konnte man auch entnehmen, dass sich das Budget für Kultur ebenso wie für Wissenschaft in Vorarlberg in den letzten Jahren erheblich erhöht hatte, dass es hierzulande in einem Bereich, in dem in fast allen Bundesländern Kürzungen auf der Tagesordnung stehen, Steigerungen gegeben hatte. Was soll da schon in der Jahresabrechnung kritisiert werden?
So konnte es sich Landesrat Christian Bernhard als zuständiges Regierungsmitglied leicht machen und auf die Ausgaben in den verschiedensten Bereichen verweisen. Die leisen Kritikpunkte der wenigen Abgeordneten, die vor ihm gesprochen hatten, waren nicht dazu angetan, irgendwelche politischen Angriffe abwehren zu müssen. Man konnte es wohl auch der fortgeschrittenen Stunde zuschreiben, dass am Rednerpult mehr die Pflicht erfüllt als das feine rhetorische Florett vorgeführt wurde. Alle brachten die vorbereitete Rede, wohl wissend, dass die Abgeordneten keine großen Debatten mehr vom Zaun brechen wollten.
Und auf der Publikumstribüne herrschte ohnehin schon Stunden so gähnende Leere wie auf der Pressebank. Für wen sich also noch abmühen? Allein fürs Protokoll war der Aufwand wohl zu schade. Aber es kommt eine nächste Kulturdebatte – und dann wird die Kultur nicht mehr so lange auf sich warten lassen, dann wandert ein anderes Kapitel in die tiefe Nacht.
Diesem Bericht konnte man entnehmen, dass sich das Budget für Kultur ebenso wie für Wissenschaft erheblich erhöht hatte.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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