Neues Konzept für das Foyer
Gewöhnlich gilt für Ausstellungshäuser ein fünfjähriger Vertrag für die Kuratoren, wenn alles passt, erfolgt danach eine Verlängerung um weitere fünf Jahre und schließlich, wenn es gar nichts zu kritisieren gilt, kommt noch eine weitere Periode dazu. Diese zeitlichen Begrenzungen haben ihren guten Grund darin, dass es gerade in einem solchen Betrieb sinnvoll ist, nach einer gewissen Zeit eine möglicherweise eintönige Programmierung zu verhindern. Vor fünf Jahren hat nun Carina Jielg, Mitglied der Kulturredaktion des Hauses, die Verantwortung für die Ausstellungen im ORF Landesstudio in Dornbirn übernommen. Und damals ist genau das eingetreten, was man sich erhoffen durfte: Das Programm ist viel jünger, es ist auch viel weiblicher geworden. Wurden in den Jahrzehnten zuvor doch eher die „Klassiker“ der Vorarlberger Kunst gezeigt, so ist es nun – dem Alter der Kuratorin angepasst – die neue Szene, die das Funkhaus bevölkert. Noch wichtiger: Dass man sich mit der besonderen Architektur von Gustav Peichl künstlerisch auseinandersetzt.
Die erste von Carina Jielg kuratierte Ausstellung schuf noch eine Art Übergang: Mit Richard Bösch und Bernhard Buhmann begegnete ein „alter Meister“ einem „jungen Geschichtenerzähler“ der Malerei. Bereits in der nächsten Schau aber ließ Barbara Anna Husar das „Raumschiff Funkhaus“ abheben. Und in dieser Tonart ging es dann weiter. Oft mit ungewöhnlichen Zugängen, mit vielen Überraschungen, immer aber spannend. Interessant etwa die großartige Video-Animation von Claudia Larcher oder die Auseinandersetzung von Veronika Schubert mit den Medien des Landes. Man sieht es schon an dieser Aufzählung.
Carina Jielg möchte mit den Ausstellungen die Möglichkeit bieten, sich „inhaltlich oder formal mit dem ungewöhnlichen Ausstellungsraum oder mit dem Medienunternehmen ORF und dessen breitem Publikum auseinanderzusetzen“. Das ist bisher ziemlich gut gelungen. Ein Zeichen dafür ist auch, dass schon Arbeiten aus fünf (von insgesamt 18) Ausstellungen durch das Vorarlberger Landesmuseum angekauft wurden. Ein anderes Zeichen ist, dass die Architektur-Universität Liechtenstein eine wichtige Kooperation zur „Zukunft Maisäß Montafon“ eingegangen ist. Kurz zum Abschluss: Man wünscht Carina Jielg noch weitere Perioden als Kuratorin. Übrigens: Derzeit ist David Welsch mit seinen „Wohnzimmer-Objekten ohne Funktion“ zu sehen.
Jielg möchte die Möglichkeit bieten, sich mit dem ungewöhnlichen Ausstellungsraum auseinanderzusetzen.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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