Wer macht das Kulturamt?
Bregenz nennt sich gerne „das kulturelle Zentrum des Landes“. Wahrscheinlich ist das gar nicht so falsch, denn immerhin finden hier die wenigen internationalen Kulturereignisse der Region statt. Das ist dem Kunsthaus zu danken, ebenso den Bregenzer Festspielen. Sicher auch dem Vorarlberger Landestheater und dem neuen Landesmuseum, das mit den beiden anderen Kulturhäusern die beeindruckende Zeile am Kornmarkt bildet. Alle diese Institutionen sind aber vom Land Vorarlberg finanziert, das zudem die Architektur-Ikonen am Kornmarkt errichtet hat. Wo aber bleibt der Bregenzer Beitrag zum Anspruch auf den kulturellen Mittelpunkt des Landes?
Natürlich, da sind die Meisterkonzerte und da ist der Bregenzer Frühling, beides Festivals auf hohem Niveau, aber das eine wie das andere durch internationale Agenturen eingekauft, also nichts, das spezifisch mit der Stadt zu tun hat. Einmal abgesehen davon, dass auch hier Land und Bund mitfinanzieren. Auf diese zwei Veranstaltungen beruft man sich aber in Bregenz immer, wenn man die Frage nach den Aktivitäten des städtischen Kulturamtes stellt. Und dann wird auch noch das Magazin4 mit seinen Ausstellungen genannt, die zwar oft aufwendig und teuer sind, außerhalb der Vernissage aber wenig Besucher locken.
Gerade in diesen Tagen wurde man wieder auf die bescheidene Arbeit des Kulturamtes aufmerksam. Am kommenden Donnerstag beginnen nämlich die Bregenzer Literaturtage, zu der von der Kuratorin Katharina Leissing sechs interessante Autorinnen und Autoren eingeladen wurden. Neben den Vorarlbergern André Pilz, Maya Rinderer und Christian Futscher auch der aus Russland stammende Vladimir Vertlib sowie der bekannte Franzobel und die Senkrechtstarterin der letzten Jahre, Vea Kaiser. Organisiert wird diese Reihe nicht durch das Kulturamt, sondern von Christoph Thoma von Bregenz Tourismus, der ja schon für das Jazz-Festival verantwortlich zeichnet.
Das ist doch erstaunlich, dass bei uns das Tourismusamt und nicht das Kulturamt die Kultur macht – aber vielleicht auch nicht: Thoma ist nämlich „nebenberuflich“ auch Kulturstadtrat von Bludenz. Und als solcher offenbar einfallsreicher als seine Bregenzer Kollegin Judith Reichart und „ihr“ Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz. Aus diesem Amt hört man nämlich ziemlich wenig. Schon gar keine neuen Ideen.
Gerade in diesen Tagen wurde man wieder auf die bescheidene Arbeit des Kulturamtes aufmerksam.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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