Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

,,Making-of“ – Die Zweite

Kultur / 04.12.2015 • 22:46 Uhr

Vor einem Monat stand hier eine erste, grundsätzliche, nicht gerade vor Lob strotzende Kritik zur Überarbeitung der Ausstellung „Vorarlberg – ein Making of“ im Vorarlberger Landesmuseum – mit der Ankündigung, dass noch Details folgen werden. Nun möchte ich stichwortartig aufzeigen, wo ich Mängel in dieser Ausstellung sehe.

Die durchgängigste Leiste ist die Fotogalerie jener Menschen, die die Ausstellungsmacher für wichtig genug erachten, hier gezeigt zu werden. (Das fehlende Impressum, das schon vor einem Monat bemängelt wurde, ist übrigens immer noch nicht angebracht.) Beim ersten Anlauf fehlte dabei etwa Franz Michael Felder. Der scheint nun auf, allerdings nicht in sichtbarem Zusammenhang mit Gallus Moosbrugger, dem dafür ein Felder-Gedicht beigestellt ist, dessen Zusammenhang sich hier nicht erschließt.

Mit Fragen wird versucht, Geschichte zu zeigen. Bei „Wer bestimmt über mich?“ werden etwa die „Bischöfe von Konstanz bis Brixen“ oder die „Herzöge hinter dem Arlberg“ angeführt. Unvermeidlich, dass bei dieser Fragestellung auch „die in Wien“ mit der Schiffstaufe von Fußach drankommen, wobei gerade hier weh tut, dass – wie auch an anderen Stellen – eine historisch-kritische Aufarbeitung des Themas nicht stattfindet.

„Was mache ich hier?“ ist eine andere Frage. Da werden Vitrinen von Bestecken, riesige Gehänge von Drahtkleiderbügeln und aufgetürmte PET-Flaschen gezeigt. Dass die Böden dieser Plastikflaschen Grundlage der künstlerischen Außengestaltung des Museums sind, bleibt unerwähnt. Hinweise auf „Wanderarbeiter“ wie die Bregenzerwälder Barockbaumeister sind eher peinlich, wenn von den großen Bauten schlicht gar nichts zu sehen ist.

Dann kommt die unvermeidliche Frage „Wer bin ich?“. Ich weiß es nach genauer Betrachtung dieses Kapitels auch nicht besser als vorher. Archäologische Betrachtungen etwa der Römerzeit, zu der es wunderbare Beispiele gäbe, bleiben bescheidenstes Stückwerk, späteren Zeiten geht es nicht viel besser. Gänzlich unterbelichtet bleibt das 20. Jahrhundert. Ich versuche es mit einem Vergleich: Den Trachten sind zwei Vitrinen gewidmet, der NS-Zeit samt dem Zweiten Weltkrieg nur eine, den Juden von Hohenems ebenfalls bloß eine. Ähnlich ergeht es anderen wichtigen zeitgeschichtlichen Themen, die nahezu unberücksichtigt bleiben. Schade, dass auch der zweite Aufguss des „Making-of“ der Geschichte dieses Landes nicht gerecht wird.

Schade, dass auch der zweite Aufguss des ,Making-of‘ der Geschichte dieses Landes nicht gerecht wird.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.