Begeisterung für Barock nachhaltig geweckt

Kultur / 18.12.2015 • 20:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Concerto Stella Matutina“ mit dem Vokalensemble „Cappella Murensis“. Foto: JU
„Concerto Stella Matutina“ mit dem Vokalensemble „Cappella Murensis“. Foto: JU

„Concerto“ zelebrierte das 10-Jahr-Jubiläum mit atemberaubenden Bach-Kantaten.

GÖTZIS. Das erste von zwei Jubiläumskonzerten zum zehnjährigen Bestehen des Barockorchesters „Concerto Stella Matutina“ gestaltete sich am Donnerstag in der ausverkauften Kulturbühne AMBACH zur glanzvollen Demonstration, auf welch atemberaubendem musikalischen Niveau sich dieses Ensemble derzeit befindet. Für die Aufführung dreier weihnachtlicher Bach-Kantaten versicherte man sich erstmals der Mitwirkung des auf Authentisches spezialisierten Schweizer Vokalensembles Cappella Murensis, das auch die Solisten stellte. Das treue Stammpublikum war sichtlich begeistert davon, ein Ensemble solchen Formats in der Region zu wissen.

Früher tönte das noch ganz anders: „Barockmusik ist langweilig, das klingt alles gleich.“ Die Erfolgsgeschichte von „Concerto“ begann damit, solchen Vorurteilen wirkungsvoll zu begegnen, indem man das Gegenteil bewiesen hat. Nach erfolgreicher Premiere im Feldkircher Dom mit einem Grundstock erfahrener heimischer Musiker wurden die Schönheiten dieser Musik in authentischer Spielweise und auf alten Instrumenten seit acht Jahren in einem überaus abwechslungsreich gestalteten Abozyklus den zunächst 200 Zuhörern nahegebracht, die sich inzwischen dank Bernhard Lampert als rührigem Gründer und Organisator mehr als verdoppelt haben. 40 spannende Programme in großer Spielfreude und Kompetenz zeigten jede mögliche Vielfalt auf, indem man neben bekannten Meisterwerken mit musikwissenschaftlichem Spürsinn (Konzertmeisterin Silvia Schweinberger, Bratschist Lucas Schurig, Trompeter Herbert Walser-Breuss) auch nach Raritäten forschte, internationale Solisten einlud, sich bis in die Klassik vorwagte und für 2016 sogar die längst fällige erste Barockoper geplant hat. Auch CDs und internationale Verpflichtungen ließen nicht lange auf sich warten.

Wirkungsvoll

Solche Bewusstseinsbildung fiel beim heimischen Konzertpublikum auf fruchtbaren Boden und hatte auch zur Folge, dass die Musikszene derzeit mit Bach-Kantaten auch in anderen Konzertreihen (Miriam Feuersingers Zyklus, „Musik in der Pforte“) geradezu überschwemmt wird. Von den 300 Werken sind über 200 noch bekannt, der Fundus ist also groß. Zum Jubiläum entgingen die Planer von „CSM“ der Gefahr des einfachsten Weges, plakativ den gängigen ersten Teil von Bachs „Weihnachtsoratorium“ zu spielen. Dafür griff man aus dem unerschöpflichen Œuvre auf drei weniger bekannte Werke zurück, die genau in dieser Reihenfolge zu Weihnachten 1724 in Leipzig aufgeführt wurden – eine reizvolle historische Analogie. Zwei davon, „Christen, ätzet diesen Tag“, BWV 63, und „Jesu, nun sei gepreiset“, BWV 41, wirkungsvoll an Anfang und Ende gesetzt, verlangen in ihrer strahlenden Prachtentfaltung zum Fest die größtmögliche, 18-köpfige Instrumentalbesetzung mit vier Trompeten und Pauken, drei Oboen und Streichern. Dazwischen wirkt die kleiner besetzte Kantate „Ich freue mich in dir“, BWV 133, als beschaulicher Kon­trast.

Der Leiter der Cappella Murensis (aus Muri im Aargau), der gebürtige Villacher Johannes Strobl, sitzt nach alter Kapellmeister-Manier wie weiland Bach mit dem Rücken zum Publikum am Cembalo und leitet von dort aus mit verblüffend sparsamen Bewegungen das Ensemble – mit einem Höchstmaß an Klangbalance und Transparenz. Unglaublich, welche Kraft, welcher Glanz in den oft kontrapunktisch geführten Chören von seinem bloß achtköpfigen, exzellent besetzten Vokalensemble ausgeht. Aus dieser Formation lösen sich auch immer wieder die Solisten, treten für ihre Arien und Duette vor und integrieren sich danach wieder in den homogenen, auch gut verständlichen und absolut reinen Chorklang. Das sind die erfolgreiche Bregenzerin Miriam Feuersinger, spezialisiert auf dieses Genre, die auch hier mit ihrem fein geführten Sopran fabelhaft und höhensicher zu überzeugen vermag, der ausdrucksstarke Hamburger Altus Kai Wessel, der auf besondere Klarheit seiner Stimme bedachte amerikanische Tenor David Munderloh und der mit herrlichen Legato-Bögen ausgestattete österreichische Bass-Bariton Matthias Helm.

Die fünfteilige Konzertsaison 2016 bei „Concerto Stella Matutina“ beginnt am 15. April in der Kulturbühne Götzis. www.stellamatutina.at