Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

In der Kürze liegt die Würze

Kultur / 18.12.2015 • 20:03 Uhr

Wenn eine Sitzung bis spät in die Nacht geht, dann kann es schon vorkommen, dass Dinge auf der Strecke bleiben. So auch bei der Kulturdebatte im Vorarlberger Landtag, die im Rahmen der allgemeinen Budgetdebatte geführt wurde. Um neun Uhr am Morgen versammelten sich die Damen und Herren Abgeordneten, gegen zehn in der Nacht stand dann die Kultur auf dem Programm. Das ist keine grundsätzliche Missachtung der Kultur, das muss jedes Kapitel des Budgets irgendwann erleiden. Denn die Punkte wechseln im Rotationsverfahren, jeden trifft es also einmal spät in der Nacht.

Diesmal führte das allerdings dazu, dass die Kultur einigermaßen unter die Räder kam. Jedenfalls dann, wenn man den Begriff der Kultur enger fassen will. Vor allem wurde nämlich über den Umgang mit den Roma in Vorarlberg diskutiert, über die „Vertreibung“ dieser Gruppe und über das Bettelverbot. Da bezogen einzelne Abgeordnete durchaus engagiert und lobenswert soziale Positionen, etwa Gabi Sprickler-Falschlunger (SPÖ) oder Nina Tomaselli von den Grünen.

Der Grund, warum das im Rahmen der Kultur und nicht etwa im Sozialbereich abgehandelt wurde, sei, so Sprickler-Falschlunger, deshalb gegeben, weil es sich um eine Frage der „Kultur des zwischenmenschlichen Umgangs“ handle. Dem kann man nicht viel entgegenhalten, außer: die eigentliche Diskussion über das Kulturbudget des nächsten Jahres blieb dadurch auf der Strecke. Nach den ausführlichen sozio-kulturellen Einlagen war die Zeit für Kunst und Kultur wohl zu fortgeschritten, die Abgeordneten schon etwas in ihrer Spritzigkeit erlahmt.

Vielleicht könnte man das zum Anlass nehmen, um über eine Redezeitbeschränkung in der Spezialdebatte zum Budget nachzudenken. Dann käme man früher zu einem Ende, ohne dass die Qualität der Beiträge leiden müsste. So schwierig sind die Themen, die hier vorgetragen werden, nun auch wieder nicht, dass man sie nicht auch in Kürze behandeln könnte. Vereinfacht gesagt: Es gibt nichts, das man nicht in fünf Minuten sagen könnte. Vielleicht würde das sogar dazu führen, dass die Qualität steigen würde, da man sich genauer überlegen müsste, was man denn nun tatsächlich vorbringen will. Und dann wäre es vielleicht wieder möglich, spannende Kulturdebatten zu hören.

Das gilt aber nicht nur für die Kultur. In allen Bereichen liegt im Parlament die Würze in der Kürze.

Vielleicht könnte man das zum Anlass nehmen, um über eine Redezeitbeschränkung in der Spezialdebatte zum Budget nachzudenken.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.