Kunst fördert die Gesundung
Dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper wohne, das ist seit der Antike eine Binsenweisheit. Dass aber Kunst – in selbst ausgeübter oder nur betrachtender Weise – helfen kann, dem Köper Genesung zu bringen, das ist eine relativ neue Erkenntnis. In Deutschland gab es Ende des vergangenen Jahrhunderts geradezu einen Boom, bei dem Kunst in Krankenhäusern gezeigt wurde. Einer der bekanntesten Verfechter ist Walter Smerling, seit Langem Leiter der Stiftung für Kunst und Kultur oder der Salzburg Foundation, nicht zuletzt ist er Mitherausgeber des Katalogs „Heilungswirkung der Kunst heute“. Andere Krankenhäuser in Deutschland verschrieben sich ebenfalls der Kunst als Beförderung der Gesundung. Klaus Hahnfeldt, Chefarzt der Neckar-Odenwald-Kliniken, meint: „Wenn die Klinik in der Wahrnehmung des Patienten vom angstbesetzten Ort zu einem vitalen Lebensraum werden soll, dann kann uns die Präsentation von Kunst in den Patientenzimmern, in Fluren, Eingangs- und Wartezonen dabei helfen.“
Auch in Vorarlberg hat man längst erkannt, dass Kunst in Krankenhäusern einen sinnvollen Platz findet. Das wurde beim Neubau des Krankenhauses in Bregenz vor Jahrzehnten schon durchgesetzt, das fand auch seine Fortsetzung im Landeskrankenhaus in Feldkirch. Schon in der ersten Bauetappe wurde beim damaligen Eingang ein Brunnen von Emil Gehrer ausgeführt, Eugen Jussel wurde mit Wandgestaltungen beauftragt. Beeindruckend auch die 133 Meter lange Lehmwand von Martin Rauch im späteren Bau. Und nun wurde aufgrund des OP-Neubaus wieder ein Wettbewerb ausgeschrieben, der von dem Schweizer Künstlerpaar Sabina Lang und Daniel Baumann für sich entschieden wurde. Zwei Stiegen in unterschiedlicher Neigung, eine begehbare Skulptur, stehen nun in der Grünfläche vor dem LKH. „Von welcher Seite auch immer man sie betrachtet, die Skulptur ändert dauernd ihre Form, steht genau richtig an dem von den Künstlern zugewiesenen Platz, macht sich nicht wichtig, ist aber dennoch nicht zu übersehen“, sagt Kulturlandesrat Christian Bernhard über das Werk.
Tatsächlich bereichert die Stiege nicht nur den Platz vor dem Krankenhaus, sondern auch den Blick darauf. Man glaubt nicht, wie sehr sich das Gebäude verändert, wenn man sich langsam nach oben bewegt. Und das ist es doch eigentlich, was man von Kunst auch will: eine neue Sichtweise der Dinge.
Auch in Vorarlberg hat man längst erkannt, dass Kunst in Krankenhäusern einen sinnvollen Platz findet.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
Kommentar