Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Langes Leben dem Museum

Kultur / 08.04.2016 • 22:44 Uhr

Als sich vor dreißig Jahren der Verein zur Errichtung eines jüdischen Museums gründete, da war es nicht so, dass alle in Hohenems und alle im Land begeistert applaudiert hätten. Da gab es schon auch Stimmen, die meinten, ob es denn wirklich notwendig sei, sich damit auseinanderzusetzen, die meinten, man möge doch die unselige Vergangenheit ruhen lassen. Und noch deutlicher wurde das, als es fünf Jahre später um die eigentliche Gründung des Museums, um die Einrichtung in der Villa Heimann-Rosenthal ging. Morgen feiert das Jüdische Museum sein 25-Jahr-Jubiläum. Und niemand mehr zweifelt an der Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit und am Wert dieser Einrichtung für die Stadt, das ganze Land und die Region.

 

Am Anfang fragte man sich, ob überhaupt genügend Ausstellungsstücke für ein Museum zur Verfügung stehen würden. Zu genau wurde nämlich über Jahrzehnte die Erinnerung an Relikte aus dem jüdischen Hohenems ebenso getilgt wie Jahre vorher die Ausrottung der Juden selbst „betrieben“ wurde. Nichts sollte mehr an die große Geschichte erinnern, keine Einzelstücke, schon gar keine Gebäude wie etwa die Synagoge, die in geradezu brutaler Vorgehensweise nach der NS-Zeit zum Feuerwehrhaus umfunktioniert wurde. Der reiche Bestand an Kultgegenständen der Kultusgemeinde war verschollen. Alles, was an die Juden in Hohenems erinnerte, sollte verschwinden.

 

So stand vor allem „Flachware“ zur Verfügung, Urkunden, Verträge, Bücher und ähnliches. Inzwischen allerdings wurde das Museum mit verschiedensten Stücken, Schenkungen von jüdischen Familien aus der Region und von Nachkommen der Hohenemser Juden bedacht. Auf diese Sammlung bezieht sich die Ausstellung mit dem Titel „Übrig. Ein Blick in die Bestände des Jüdischen Museums.“ Damit „gewährt das Museum Einblick in den Reichtum unterschiedlicher Formen des Erinnerns und Vergessens“, wie es im Folder zur Ausstellung heißt.

 

Das Jüdische Museum steht längst außer Diskussion, es ist wesentlicher Teil, sogar Aushängeschild der Museumslandschaft des Landes geworden. Und dennoch: Hier geht es nicht nur um museale Präsentation, hier geht es nach wie vor um Auseinandersetzung, oft nicht einfache Auseinandersetzung mit eigener Geschichte. Dankbar müssen wir dem Museum und seinem Direktor Hanno Loewy sein, dass er nicht ruht und uns nicht in Ruhe lässt. Denn wenn hier Ruhe einkehren würde, dann wäre das das Ende des Museums.

Das Jüdische Museum ist wesentlicher Teil, sogar Aushängeschild der Museumslandschaft des Landes geworden.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.