Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Kultur-Konflikt im Land?

Kultur / 03.06.2016 • 20:05 Uhr

Das könnte noch spannend werden. Seit Monaten führen die Städte Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch, verstärkt durch den Bregenzerwald, Gespräche über die Frage, ob man sich als Europäische Kulturhauptstadt bewerben soll. Anfang Juli will man in einer gemeinsamen Stadtvertretung in Schwarzenberg zu einem endgültigen Ergebnis kommen. Und derzeit sieht es danach aus, dass sich die Städte eine Bewerbung vorstellen können.

 

Ganz anders, nämlich ablehnend, sieht man das, so Kulturlandesrat Christian Bernhard am Donnerstag, beim Land. Was in dieser Klarheit doch erstaunt, war es doch bei der Kulturenquete des Landes vor einem Jahr, als das Thema Kulturhauptstadt wesentlicher Diskussionspunkt war. Jetzt aber hat der Kulturbeirat als wichtigstes Beratungsgremium des Landes entschieden, dass man das von den Städten vorliegende Positionspapier nicht unterstützen werde. Im Klartext: Das Land stellt sich – zumindest derzeit – gegen eine Bewerbung.

 

Ganz so leicht dürfte das aber nicht gehen. Denn wenn die vier Städte beschließen, eine Bewerbung vorzubereiten, dann wird es für das Land nicht einfach sein, sich vollkommen herauszuhalten. Auch nicht finanziell. Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart hat schon angekündigt, dass man eine Ablehnung nicht einfach zur Kenntnis nehmen werde; eine Entscheidung des Landeskulturbeirates, der die Argumente der Städte nicht einmal angehört habe, schon gar nicht.

 

Mit der Zuspitzung dieser Auseinandersetzung wird auch klar, warum sich Linhart nach dem Abgang von Judith Reichart den Kulturstadtrat von Bregenz für sich vorbehalten hat. Er war es auch, der ursprünglich mit der Idee zur Kulturhauptstadt-Bewerbung politisch vorgeprescht ist, er will dabei auch in Zukunft ein gewichtiges Wort mitsprechen. Interessiert kann man in diesem Zusammenhang auch die Neubesetzung des Kulturreferates in Bregenz verfolgen, denn der neue Kulturamtsleiter soll auch dieses Thema betreuen.

 

Wie immer: Die Kulturhauptstadt wird Geld kosten, Geld, das nicht aus dem laufenden Kulturbudget kommen darf. Dazu muss es Sonderbudgets geben, bei den Städten ebenso wie beim Land. Die Befürchtung aber ist, dass es bei einer Bewerbung kaum mehr finanzielle Spielräume für Kunst und Kultur geben wird, weil alles in die Kulturhauptstadt gepumpt wird. Dass dem nicht so sein wird, muss frühzeitig sichergestellt sein.

Wenn die vier Städte beschließen, eine Bewerbung vorzubereiten, dann wird es für das Land nicht einfach sein sich herauszuhalten.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.