Konflikt in Stadt und Land
Jetzt beginnt sich ein handfester Konflikt zwischen dem Land und den vier Städten, die sich um den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt 2024 bewerben wollen, abzuzeichnen. Das Interview, das Kulturlandesrat Christian Bernhard vor einigen Tagen gegeben hat, wird auch nicht gerade zur Eintracht beitragen. Denn Bernhard hatte gemeint, dass er dafür sei, dass Bad Ischl – das sich bekanntlich auch bewerben will – Kulturhauptstadt werden soll. Für den für Kultur zuständigen höchsten Politiker des Landes ist das doch eine bemerkenswerte Aussage. Und sie hat bei den Städten Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch nicht gerade Freude ausgelöst.
So könnte es noch zu einer interessanten politischen Diskussion kommen. Denn am 4. Juli halten die vier Städte eine gemeinsame Stadtvertretung in Schwarzenberg – der Bregenzerwald soll ja im Rahmen der Kulturhauptstadt auch ins Boot genommen werden – ab, bei der nach heutigem Stand die Bewerbung weiter betrieben werden soll.
Und zwei Tage später, am 6. und 7. Juli, hält der Vorarlberger Landtag seine große Sommersitzung ab. Emotionen sind da nicht ausgeschlossen, denn nicht alle Abgeordneten teilen die Auffassung von Landesrat Christian Bernhard.
Noch sind sich die Städte in dieser Frage einig. Aber bald könnten sie auch untereinander ein Problem bekommen. Spätestens dann, wenn bestimmt werden muss, welche der vier Städte sich letztlich bewerben wird. Denn eine gemeinsame Bewerbung geht nicht, man muss sich also auf eine Stadt einigen. Heftig interessiert sich Dornbirn dafür, Bregenz sowieso. Und Feldkirch könnte sich auch noch in die Diskussion einreihen. Die Kritik, dass Bludenz nicht dabei ist, hat sich erledigt, nachdem aus dem dortigen Rathaus offensichtlich kein Interesse bekundet wurde. Versucht man eine Bewertung nach bestehenden Einrichtungen, dann hat wohl Bregenz mit den internationalen Aushängeschildern Festspiele, Kunsthaus und Landesmuseum die Nase vorn. So weit über die Grenzen reicht nur noch das Ansehen des Jüdischen Museums in Hohenems.
Man darf allerdings davon ausgehen, dass solch sachliche Argumente allein nicht ziehen werden. Da können noch viele andere Punkte aufgelistet werden, die der einen oder anderen Stadt zur Bewerbung verhelfen sollen.
Einfach wird die Behandlung des Themas sicher nicht werden – auch wenn man heute noch große Einigkeit untereinander demonstriert.
Emotionen sind da nicht ausgeschlossen, denn nicht alle Abgeordneten teilen die Auffassung von Landesrat Christian Bernhard.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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