Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Noch weit bis zur Klarheit

Kultur / 08.07.2016 • 18:26 Uhr

So viel wie in den letzten Tagen ist selten einmal über Kulturpolitik diskutiert worden. Da war zuerst einmal das „historische Ereignis“ in Schwarzenberg, wo sich am Montag die vier Stadtvertretungen der Städte Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch getroffen haben, um darüber zu entscheiden, ob sie eine Bewerbung für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 weiterverfolgen sollen. Und dann wurde am Mittwoch im Landtag die Debatte zum Rechenschaftsbericht des Jahres 2015 geführt, die im Bereich der Kultur eine Diskussion fast nur zur Kulturhauptstadt brachte.

Die vier Städte waren sich in Schwarzenberg einig: Die Bewerbung wollen sie in jedem Fall weiterverfolgen, wenn auch „mit offenem Ergebnis“. Das heißt, es könnte auch sein, dass man 2018, wenn die Frist abläuft, von einer Bewerbung Abstand nimmt. Dafür stimmten Bregenz, Dornbirn und Feldkirch einstimmig, Hohenems mehrheitlich. Genauer: Von 144 anwesenden Mandataren stimmten 139 dafür. Und das, so meinten die vier Bürgermeister, müsste wohl auch dem Land zu denken geben, das bisher nicht gerade frohlockend auf den Kulturhauptstadt-Zug aufgesprungen war.

Die Abgeordneten zum Landtag sahen eine mögliche Bewerbung unterschiedlich, wenn auch mehrheitlich positiv. Grundtenor: Das bisher zugrundeliegende Papier der Städte sei eine zu dünne Suppe, da müsse man noch über verschiedenste Dinge, auch über Personal und Budget, reden. Nicht zuletzt müsse auch die Beteiligung der Künstler geregelt sein. Landesrat Bernhard forderte einen erweiterten Kulturbegriff und die Beantwortung der Frage, was die Kulturhauptstadt dem einzelnen Menschen bringt.

Wenn es eine gute Idee gebe, werde er sich dem nicht verschließen. Was wiederum den Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger aufbrachte: Das sei keine ausreichende Antwort, er fordere eine moralische und finanzielle Unterstützung des Landes. Etwas weniger Aufgeregtheit wollte dann Landeshauptmann Markus Wallner. Wenn man mit der Kunst und den Kulturveranstaltern über einige Tausend Euro Erhöhung diskutieren müsse, dann müsse man schon auch klar argumentieren, warum plötzlich für eine Kulturhauptstadt ein Budget von 30 Millionen Euro – und das sei an der unteren Grenze – aus dem Hut gezaubert wird. Bis jetzt fehle ihm noch eine zündende Idee für die Kulturhauptstadt. Ob die noch kommt, wurde im Landtag nicht geklärt.

Die Abgeordneten zum Landtag sahen eine mögliche Bewerbung unterschiedlich, wenn auch mehrheitlich positiv.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.